Den Traum, Schall und Klänge irgendwie zu konservieren, um sie vielleicht sogar für die Nachwelt festzuhalten, existiert schon seit vielen Jahrhunderten, vermutlich sogar noch länger. Überliefert ist die Geschichte eines italienischen Arztes und Naturwissenschaftlers namens Giambattista della Porta (* 1535 in Vico Equense, + 1615 in Neapel), der anno 1589 versuchte, ein gesprochenes Wort in einem Gefäß einzufangen, um es später nach dem Öffnen wieder abzurufen. Vermutlich lauscht er heute noch…

Cyrano de Bergerac
Etwas mehr Fantasie bewies der französische Schriftsteller Cyrano de Bergerac (* 6. März 1619 in Paris, + 28. Juli 1655 in Paris) in seinem Utopie-Roman „Von sonderbaren Geschichten der Staaten und Reiche des Mondes“ in dem er Menschen beschreibt, die sprechende Bücher besäßen, welche man zwar hören, aber nicht mit den Augen lesen könne… Ebenfalls äußerst einfallsreich zeigte sich der deutsche Dichter Gottfried August Bürger (* 31. Dezember 1747 im Ostharz, + 8. Juni 1794 in Göttingen) in seiner Geschichte „Die Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen“, als er ein eingefrorenes Posthorn „erfand“, welches in einer warmen Stube aufgetaut die Töne freigab, die zuvor ein Postillion in Eiseskälte hinein blies… Technisch fundierter wurde es erst Anfang des 19. Jahrhundert mit Thomas Young.

Thomas Young
1807: Der englische Augenarzt und Physiker Thomas Young (* 13. Juni 1773 in Somersetshire, + 10. Mai 1829 in London) experimentiert mit einer Stimmgabel, die mit einer Nadel versehen auf einen Zylinder ausgerichtet ist. Versetzt man die Stimmgabel in Stimmung, schreibt die Nadel die Schallwellen auf den angekurbelten Zylinder. Der Nutzwert scheint zu diesem Zeitpunkt aber sehr überschaubar.

Édouard-Léon Scott de Martinville
1857: Der französische Buchdrucker und Händler Édouard-Léon Scott de Martinville (* 1817 in Paris, + 26. April 1879 in Paris) erfindet den Phonautographen. Das Ding sieht bereits fast so aus wie Edisons Phonograph: eine im Sprachtrichter integrierte Membran versetzt eine Schweineborste in Schwingung, die auf einem handbetriebenen Zylinder aufgezeichnet wird. Allerdings kann die Sau… Sorry, die Schweineborste lediglich aufzeichnen, aber nix wiedergeben.

Johann Philip Reis
1861: Der deutsche Physiker und Volksschullehrer Johann Philip Reis (* 7. Januar 1834 in Gelnhausen/Hessen, + 14. Januar 1874 in Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main) erfindet das Telefon und stellt es dem „Physikalischen Verein Frankfurt“ vor. Ebenfalls in dieser Erfindung mit inbegriffen: der erste Lautsprecher! Ganz nebenbei entwickelte Reis noch Schlittschuhe auf Rollen… heute sagen wir Inline-Skates dazu.

James Clerk Maxwell
1864: Der schottische Physiker James Clerk Maxwell (* 13. Juni 1831 in Edinburgh, + 5. November 1879 in Cambridge) stellt mit seinen „Maxwellschen Gleichungen“ die Grundlagen der heutigen Elektrizitätslehre und des Magnetismus her auf und beschreibt dementsprechend eine Theorie über die Existenz von elektromagnetischen Wellen.

Charles Cros
1867: An der „Naturwissenschaftlichen Akademie“ in Paris präsentiert der französische Dichter und Erfinder Charles Cros (* 1. Oktober 1842 in Aude, + 9. August 1888 in Paris) sein „Paréophone„, die Idee eines Phonographen bzw. die Theorie, wie man Schallwellen aufzeichnen und wiedergeben könnte. Bevor Charles Cros jedoch in der Lage ist, einen entsprechenden Prototypen zu bauen, erhält 1878 ein gewisser Thomas Alva Edison aus den USA seinen Phonographen zum Patent an.

Ferdinand Braun
1874: Der deutsche Physiker und Elektrotechniker Ferdinand Braun (* 6. Juni 1850 in Fulda, + 20. April 1918 in New York) entdeckt an Metall-Sufliden und – Oxiden einen Gleichrichtereffekt für Elektrizität. Zwar kann damals kaum jemand wirklich etwas mit dieser Erkenntnis anfangen, doch künftig bildet dies die Grundlage der ganzen Halbleitertechnik wie Dioden, Transistoren und somit auch für moderne Computer-Prozessoren. Ferdinand Braun beschäftigt sich in seinem Leben auch intensiv mit Funktechnik und teilt sich im Jahre 1909 für seine „Drahtlose Telegrafie“ den Nobelpreis für Physik mit dem Italiener Guglielmo Marconi. Zudem gilt Braun als Erfinder der Fernseh-Bildröhre und er ist Mitbegründer der Firma „Telefunken“ (1903).

Thomas Alva Edison
1877: Dem US-amerikanischen Erfinder Thomas Alva Edison (* 11. Februar 1847 in Ohio, + 18. Oktober 1931 in New Jersey) gelingt es mit seiner Erfindung – einem Geräteaufbau mit Nadel, Membran und einer Walze mit speziellen Papierstreifen – als erstem Menschen, ein Wort („Hello“) aufzunehmen und (wenn auch sehr leise) wiederzugeben. Aus dieser Apparatur entsteht kurze Zeit später der Phonograph, in dem Thomas Alva Edison das Kinderlied „Mary has a little lamp“ auf eine mit Stanniol-Papier überzogene Walze aufzeichnet. Das Patent hierzu erhält Edison am 19. Februar 1878. Diese Erfindung bedeutet den eigentlichen Startschuss in der elektrischen Tonaufzeichnung. Die anfängliche Spielzeit der Edison-Walzen beträgt etwa 40 Sekunden. Bis 1888 weiter entwickelte Phonographen spielen Walzen mit 2 Minuten Laufzeit ab. Der Kunde kann auf diesen Walzen sogar eigene Aufnahmen tätigen. Zu Thomas Alva Edisons weiteren bahnbrechenden Schöpfungen zählen unter anderem diverse Telegrafie- und Telefon-Weiterentwicklungen, die Erfindung der Glühbirne (1879), die Stromversorgung New Yorks (1881), den Kinetographen – quasi die erste Filmkamera (1891) sowie das Kinetoskop – eine Art Filmprojektor, das erste Filmstudio der Fimindustrie mit dem Namen „Black Maria“ (1892), die wiederaufladbare Batterie (1914) sowie 1916 diverse Abwehrtechniken gegen deutsche U-Boote im 1. Weltkrieg. Edison war also nicht nur wegen seiner Glühbirne ein helles Köpfchen!

Charles Sumner Tainter
1880: Der US-amerikanische Ingenieur Charles Sumner Tainter (* 25. April 1854 in Massachusetts, + 20. April 1940 in San Diego, Kalifornien) gilt als der moralische Erfinder der Schallplatte. Tainter erkennt früh die technischen und klanglichen Nachteile der Edion-Walzen und versucht diese durch ein spiralförmiges Aufzeichnungsverfahren auf flachen Scheiben zu mindern. Aufgrund zu vieler technischer Probleme stellt Tainter seine Versuche aber rasch wieder ein und sie gelangen auch nie an die Öffentlichkeit. Auch der offizielle Schallplattenerfinder Emil Berliner wusste nichts von Tainters Schallplatte.

Heinrich Rudolf Hertz
1886: Der deutsche Physiker Heinrich Rudolf Hertz (* 22. Februar 1857 in Hamburg, + 1. Januar 1894 in Bonn) weist am 11. November 1886 erstmals in einem Experiment mit Sender und Empfänger die Existenz von elektro-magnetischen Wellen nach und schafft damit die Grundlage für die drahtlose Telegrafie und Rundfunktechnik. Nach Heinrich Hertz ist die Einheit für Frequenz benannt, zum Beispiel 3,2 GHz (Giga-Hertz) bei CPUs oder 98,5 MHz (Mega-Hertz) bei UKW-Radio.
1887: Der deutsche Erfinder Emil Berliner (* 20. Mai 1851 in Hannover, + 3. August 1929 in Washington) entwickelt auf Grundlage des Phonographen von Thomas Alva Edison das Grammophon sowie die dazugehörige Schallplatte. Bei seiner Aufzeichnungs-Technik setzt er nicht wie sein Vorbild auf eine Tiefenschrift zum Schreiben der Töne, sondern auf eine Zickzack-verlaufende Seitenschrift. Als guter Geschäftsmann erkennt Emil Berliner zwei Vorteile gegenüber Edisons Walzen: Mit seinem eigenen Aufzeichnungsverfahren umgeht Berliner die Patente von Edison und die Scheiben lassen sich im Gegensatz zu Walzen beliebig oft vervielfältigen. Eher nebenbei weisen seine Schallplatten zudem „klanglich bessere“ Eigenschaften auf. Hier geht es zur Geschichte der Schallplatte und von Emil Berliner.

Alexander Graham Bell
1888: Der britische Sprachtherapeut, Großunternehmer und Erfinder Alexander Graham Bell (* 3. März 1847 in Edinburgh/Schottland, + 1. August 1922 in Baddeck/Kanada) experimentiert an Edisons Tonwalzen mit Wachs an Stelle von Stanniol-Folie und verringert dadurch die Störgeräusche. Dadurch wird die Erfindung Edisons gewissermaßen marktreif. Alexander Graham Bell gilt unter anderem als Entwickler des ersten massentauglichen Telefons. Aus seiner Telefon-Firma „Bell Telephone Company“ von 1876 entsteht der heute noch existierende Kommunikations-Großkonzern „AT&T“. Zu Ehren des auch in der Gehörlosenforschung sehr engagierten Bells benannte man die Maßeinheit für Schalldruck nach ihm in Bel, zum Beispiel 90 dB (für dezi-Bel) beim Rauschabstand in der Hi-Fi-Technik.

Oberlin Smith
1888: Der US-amerikanische Unternehmer und Erfinder Oberlin Smith (* 22. März 1840 in Ohio, + 18. Juli 1926 in Bridgton/New Jersey – Leitspruch: „I can make a better one“) beschreibt am 8. September 1888 seine Theorie in der Zeitschrift „Electrical World“, mit der man Töne auf einen mit Metallspänen versehenen Baumwollfaden aufzeichnen kann. Er kreiert damit als erster Mensch die Idee eines Tonbandgerätes.
1889: Erstmals wird in einem Grammophon ein Federwerk eingesetzt, was im Gegensatz zur Handkurbel mehr Komfort und besseren Gleichlauf bedeutet.
1890: Edisons Phonographen erhalten anstelle eines Federwerks einen Elektromotor. Findige Lizenznehmer bauen darauf hin ein Gerät, das sich mittels Münzeinwurf zu einem Liedchen überreden lässt… wenn man so will, der Urahn einer Jukebox. Zu jener Zeit nennen sie die Leute jedoch „Groschengrab“. Statt einem Lautsprecher besitzt die Jukebox vier Hörschläuche und jeder Hörer muss extra bezahlen.

Schellack-Platte
1896: Nach einer recht experimentellen Phase mit diversen Materialien stößt Emil Berliner anno 1896 schließlich auf das Material Schellack. Zusammen mit diversen Zugaben wie Ruß (daher die schwarze Farbe), Pflanzenfasern und Gesteinsmehl entwickelt Emil Berliner die Schellack-Platte und setzt damit den Grundstein der Plattenindustrie der nächsten 60 Jahre.

Valdemar Poulsen
1898: Der dänische Physiker Valdemar Poulsen (* 23. November 1869 in Kopenhagen, + 6. August 1942 in New York) erfindet ein Gerät namens Telegraphon, welches Schallwellen in elektromagnetische Induktion umwandelt und auf diese Weise ein Stahlband beschreibt, von dem er das Aufgenommene auch wiedergeben kann. Klingt verwirrend, ist aber im Endeffekt nichts anderes als der Ur-Vorfahr des Tonbandgerätes und Kassettenrecorders. Die Öffentlichkeit ist so begeistert, dass sich auf der Pariser Weltausstellung 1900 sogar Kaiser Franz Joseph I. von Österreich und Ungarn dazu hinreißen lässt, ein paar Worte mit dem Gerät aufnehmen zu lassen. Angeblich existieren diese Aufzeichnungen noch. Übrigens gelingt Valdemar Poulsen um 1904 die erste Sprechverbindung via Funk, was bald die Grundlage für die moderne Radio- und Funktechnik bildet.

Nikola Tesla
1898: Der kroatische Elektroingenieur Nikola Tesla (* 10. Juli 1856 in Smiljan/Kroatien – damals Kaisertum Österreich, + 7. Januar 1943 in New York) präsentiert die erste Funkfernsteuerung, die er an einem Schiffsmodell demonstriert. Nikola Tesla arbeitet viele Jahre für Thomas Alva Edison, bis sie sich bei der Frage, ob der von Edison favorisierte Gleichstrom oder der von Tesla bevorzugte Wechselstrom besser zur großflächigen Stromversorgung geeignet wäre, völlig überwerfen. In dem als Stromkrieg bekannten Ereignis bekommt Edison kurzfristig Recht, doch langfristig stellt sich Wechselstrom als bessere Alternative heraus, weil er durch seine Transformierbarkeit verlustfreier zu verteilen ist. Die physikalische Einheit für magnetische Flussdichte wurde Nikola Tesla zu Ehren als Tesla benannt.

Guglielmo Marconi
1899: Der italienische Elektroingenieur und Unternehmer Guglielmo Marconi (* 25. April 1874 in Bologna, + 20. Juli 1937 in Rom) überträgt am 27. März 1899 erstmals mittels elektromagnetischer Wellen eine telegrafische Nachricht drahtlos über den Ärmelkanal. Am 12. Dezember 1901 gelingt Marconi sogar die erste transatlantische Nachrichtenübertragung von Cornwall in Süd-England nach St. John’s in West-Kanada. Für seine Pionierarbeit in der „Drahtlosen Telegrafie“ teilt sich Guglielmo Marconi zusammen mit Ferdinand Braun im Jahre 1909 den Nobelpreis für Physik.
1901: Erstmals stellt die Plattenindustrie Schallplatten in 10 Zoll bzw. 25 cm her – damals ein Format unter vielen – begründet es doch die Norm, welche sich in den nächsten Jahrzehnten durchsetzt.
1902: Schallplatten bekommen erstmals Papierlabels in der Mitte ums Loch aufgeklebt. Bis dahin werden die Informationen noch in den mittleren Leerbereich geritzt.
1904: In Berlin entwickelt die Plattenfirma Odeon die erste zweiseitig bespielbare Schallplatte und veröffentlicht Formate mit 25 und 30 cm Durchmesser. Auf eine Schallplatte passen nun etwa 5:30 Minuten Musik pro Seite, also insgesamt 11 Minuten.

Enrico Caruso
1904: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts beginnt sich der weltberühmte italienische Opernsänger Enrico Caruso (* 25. Februar 1873 in Neapel, 2. August 1921 in Neapel) für das Ton-Medium Schallplatte zu interessieren und lässt auch zahlreiche Opern-Arien und Volkslieder von sich aufnehmen, darunter das populäre „O sole mio“. Am 1. Februar 1904 verewigt Enrico Caruso die Arie „Vesti La Giubba“ aus der Oper „Pagliacci“ beim Plattenlabel „RCA Victor“ und verkauft davon über eine Million Stück – Carusos Platte ist damit der erste Millionenseller der Musikgeschichte. Historikern zufolge ist es vor allem Enrico Caruso zu verdanken, dass sich die Schallplatte bereits damals als Massenmedium etablieren konnte – heute würde man dazu Killer-Applikation sagen: man kauft die teure Hardware, um die günstige Software nutzen zu können. Insgesamt besingt Enrico Caruso fast 500 Schallplatten, die allerdings nicht alle auf den Markt gelangen. Heute ist das Lebenswerk des bedeutendsten aller Opern-Stars in restaurierter Fassung auf 14 CDs gerettet.

Sir John Ambrose Fleming
1905: Der englische Physiker und Elektroingenieur Sir John Ambrose Fleming (* 29. November 1849 in Lancashire, + 18. April 1945 in Devon) bekommt am 21. November 1905 das Patent für seine Elektronenröhre zugeschrieben, die er selbst als Zweielektroden-Funkgleichrichter bezeichnet. Es handelt sich hierbei um die erste Gleichrichter-Röhre, was prinzipiell einer modernen Diode entspricht – der erste Schritt in Richtung Transistor und somit ins moderne Elektronikzeitalter ist hiermit gemacht.

Lee De Forest
1906: Der US-amerikanische Erfinder Lee De Forest (* 26. August in Iowa, + 30. Juni 1961 in Hollywood) erweitert die von Fleming erfundene Dioden-Röhre um eine dritte Elektrode, um den Stromfluss der anderen beiden Elektroden (Anode & Kathode) steuern zu können. Die Röhre erhält den Namen Audion, später dann Triode. Diese Triode enthält die Funktion eines Transistors und kann somit als elektronischer Schalter oder als Verstärker für Audio-Signale eingesetzt werden. Trotz dieses gewaltigen Fortschritts stehen Lee De Forest die Kollegen und die Öffentlichkeit sehr skeptisch gegenüber. Zu viele Patentrechts-Verhandlungen oder auch Aussagen wie „ich weiß nicht warum die Triode funktioniert, sie tut es einfach“ lassen ihn als Erfinder sehr im Zwielicht stehen. Immerhin schafft es De Forest in Hollywood 1960 postum zu einem „Oscar“ und einem Stern auf den „Walk of Fame“ für sein Aufnahmeverfahren, in dem sich Bild und Ton parallel zeitgleich aufnehmen ließ. 1922 hatte er diese Erfindung in Deutschland „entdeckt“ und weiterentwickelt.

Robert von Lieben
1906: Der österreichische Physiker Robert von Lieben (* 5. September 1878 in Wien, + 20. Februar 1913 in Wien) patentiert am 4. März 1906 ein so genanntes „Kathodenstrahl-Relais mit signalverstärkender Wirkung“, verpackt in einer Elektronenröhre, der so genannten „Lieben-Röhre„! Die Lieben-Röhre gleicht der Triode von Lee De Forest abgesehen von ein paar patentrechtlichen Auslegungen und technischen Feinheiten sehr. Doch ein Patentstreit endete zu Gunsten von Robert von Lieben. Der Österreicher erarbeitet dann bis 1910 die ersten in der Praxis brauchbaren Verstärkerröhren – ironischer Weise basierend auf der Triode von Lee De Forest, da sein eigenes Patent sich dafür nicht eignete. Andererseits war Lee De Forest selbst nicht in der Lage, seine eigene Triode entsprechend weiter zu verbessern.
1906: Das Unternehmen „Joh. Gabel Company“ bringt die erste Schallplatten-Musikbox mit Münzeinwurf und 24 Programmwahltasten auf den Markt. Zum Einsatz kommen die von Emil Berliner erfundenen Schellack-Platten. Das Prinzip „Einer zahlt, alle hören!“ ist durch einen riesigen Grammophontrichter umgesetzt. Mangels Verstärker sind diese Jukeboxen für einen Party-Betrieb jedoch noch zu leise, womit der kommerzielle Erfolg zunächst ausbleibt.
1912: Das erste Röhrenradio mit einer Trioden-Röhre als Verstärker wird gebaut. Die damals sündhaft teure Triode muss gleich doppelt schuften, indem sie zunächst die hochfrequenten Sendersignale verstärkt und zusätzlich die niederfrequenten Audio-Signale.

Alexander Meißner
1913: Der deutsche Physiker Alexander Meißner (* 14. September 1883 in Wien, + 3. Januar 1958 in Berlin) entwickelt mittels einer Röhrenschaltung eine Rückkopplung zur Erzeugung ungedämpfter elektromagnetischer Schwingungen – kurz: die Meißner-Schaltung. Dank dieser Meißner-Schaltung ist es erstmals möglich, Musik und Sprache verständlich zu übertragen und außerdem das Frequenzspektrum, welches letztendlich die Anzahl der verfügbaren Radiosender festlegt, deutlich zu erhöhen.

Hanso Schotanus à Steringa Idzerda
1919: Am 6. November startet der niederländische Ingenieur und Radiopionier Hanso Schotanus à Steringa Idzerda (* 26. September 1885 in Weidum, + November 1944 in Den Haag als Widerstandskämpfer von den Nazis hingerichtet) aus seiner Privatwohnung in Den Haag die weltweit erste (bekannte) Radiosendung. Fast fünf Jahre lang sendet er abends regelmäßig ein musikalisches Unterhaltungsprogramm, bis er schließlich am 11. September 1924 aus Geldnot den Sendebetrieb einstellt.

Radiostation KDKA
1920: In Pittsburgh/USA nimmt am 2. November 1920 die erste Radiostation namens KDKA ihren regelmäßigen Betrieb auf und versorgt Leute, die über entsprechende Empfangsgeräte verfügen, mit Nachrichten und Unterhaltungssendungen.
1920: In Deutschland findet die erste, aber inoffizielle Radiosendung am 22. Dezember 1920 statt, wo ein Postorchester mit eigenen Instrumenten, Liedern und Gedichten den posteigenen Langwellensender in Königs Wusterhausen austestet.
1922: Der US-amerikanische Unternehmer und Erfinder Oberlin Smith (* 22. März 1840 in Ohio, + 18. Juli 1926 in Bridgton/New Jersey) entwickelt den Autofono, ein ferngesteuerter Plattenwechsler mit 50 Schallplatten Fassungskapazität.
1922: Das Radio wird langsam mobil. Ein gewisser J. McWilliams Stone erfindet den ersten tragbaren Radio und Mr. George Frost schmückt seinen Ford Model T als erster mit einem selbstgebauten Autoradio.
1923: Der deutsche Rundfunk strahlt am 29. Oktober 1923 aus dem Vox-Haus in Berlin die erste Unterhaltungssendung aus, was als offizielle Geburtsstunde des deutschen Rundfunks gilt.
1924: Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin präsentieren Hersteller die ersten Röhren-Rundfunkempfänger für den Privatmann.
1925: Der Elektronikkonzern Brunswick Co. bringt mit dem Brunswick Panatrope den ersten vollelektrischen Plattenspieler (also völlig ohne Kurbel) samt Röhrenverstärker und Lautsprecher zur Serienreife.
1925: Dank der elektrischen Röhre – die Vorläuferin des modernen Halbleiter-Transistors – baut das US-amerikanische Unternehmen Bell Laboratories einen Aufnahme-Verstärker samt Mikrofon, was die Bespielung von Schallplatten mit Tonsignalen enorm erleichtert und vor allem klanglich stark verbessert. Bislang erfolgten Aufnahmen rein mechanisch und waren abhängig vom erzeugten Schalldruck des Sängers, Sprechers oder des Instruments.

Thomas Alva Edison
1926: Der US-amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison (* 11. Februar 1847 in Ohio, + 18. Oktober 1931 in New Jersey) präsentiert angesichts der Absatzschwierigkeiten seiner Ton-Zylinder nun seine eigene Schallplatten-Entwicklung. Die enge Anordnung der Rillen (16 Rillen pro Millimeter und die Reduzierung der Drehzahl von 78 Runden pro Minute ermöglichen eine sensationelle Laufzeit von 2 x 20 Minuten. Trotzdem ist Emil Berliners Schellackplatte bereits zu verbreitet, als das Edison mit seinem Nachzügler noch ein Erfolg beschert wäre.
1927: Die ersten vollelektronischen Plattenspieler werden in Deutschland von der Firma „Deutsche Grammophon“ vertrieben. Möglich macht dies ein Lizenzabkommen mit dem Hersteller „Brunswick-Balke-Collander Company„.
1927: Das US-Unternehmen „Storage Battery Co.“ in Philadelphia fertigt mit dem „Philco Transitone“ das erste industrielle Autoradio.
1927: In den USA erscheinen die ersten vollelektronischen Jukeboxen.

Fritz Pfleumer
1928: Der deutsch-österreichische Erfinder Fritz Pfleumer (* 20. März 1881 in Salzburg, + 29. August 1945 in Radebeul bei Dresden) meldet das erste Tonband-Gerät zum Patent an. Es arbeitet prinzipiell nach der elektromagnetischen Induktions-Schallwandlung wie das Telegraphon des dänischen Physiker Valdemar Poulsen, doch anstelle eines Stahlbandes verwendet Fritz Pfleumer ein 16 mm breites Papierband mit einer Beschichtung aus pulverisiertem Eisen. 1932 kann er den Gerätehersteller „AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft)„sowie das Chemie-Unternehmen „BASF (Badische Anilin- & Soda-Fabrik)“ für seine Erfindung begeistern, wobei BASF bei der Herstellung des Tonbandes lieber auf Zelluloid anstatt auf Papier als Trägermaterial setzt.
1929: Den ersten tragbaren Plattenspieler gibt es zu kaufen. Zum Musikhören muss ihn der Hörer erst an ein Radio-Gerät anschließen. Dieses Meisterwerk mobiler Unterhaltungselektronik stammt von der Firma „Columbia„.
1931: Die Plattenfirma RCA Viktor präsentiert am 17. September die erste echte Langspielplatte mit 14 Zoll bzw. 35 cm Durchmesser. Sie dreht wie heute noch üblich genau mit 33,3 Umdrehungen pro Minute und bietet erstmals genügend Laufzeit für ein ganzes Konzert. Entsprechende Plattenspieler sind jedoch für Privatleute praktisch nicht bezahlbar und so wird sich die Langspielplatte erst 21 Jahre später als Vinylschallplatte durchsetzen.

Alan Dower Blumlein
1931: Der englische Elektronik-Ingenieur Alan Dower Blumlein (* 29. Juni 1903 in London, + 7. Juni 1942 in London) stellt am 14. Dezember 1931 mit seiner Erfindung „Binaural Sound“ die erste Stereo-Schallplatte vor, dessen Technik (Abtastung zweier Rillenflanken gleichzeitig im 45-Grad-Winkel, wobei die innere Flanke den linken Kanal bildet und die äußere de rechten Kanal) heute noch Gültigkeit hat. Allerdings dauert es bis 1958, bis Stereoschallplatten für den Massenmarkt bereit sind, weil bis dahin die Stereo-Plattenspieler unerschwinglich sind. Zudem liegen auch noch Patent-rechtliche Probleme bezüglich der Aufzeichnungsverfahren von Edison und Berliner in der Luft. Alan Dower Blumlein entwickelt auch den ersten 3-Wege-Lautsprecher. Er verunglückt während des 2. Weltkrieges als Pilot bei einem Radartest mit einem Halifax-Bomber.

Wurlitzer Jukebox
1933: Die Mitte der 1850er in die USA ausgewanderte deutsche Händlerfamilie Wurlitzer beginnt testweise mit dem Bau und der Vermarktung der ersten Wurlitzer-Jukeboxen, die sich vor allem wegen ihres Designs und der Leuchteffekte von der Konkurrenz absetzen. 1934 startet nach der erfolgreichen Testphase die Massenfertigung des „Wurlitzers“.

Volksempfängers VE 301
1933: Mit Beginn der nationalsozialistischen Machtübernahme verkommt in Deutschland das Rundfunk-Programm zum Propaganda-Sprachrohr. Am 25. Mai 1933 startet die Massenproduktion des „Volksempfängers VE 301„, wobei die 301 für das Datum der Machtübernahme der NSDAP steht (301 = 30. Januar). Die Geräte für anfänglich 76 Reichsmark (Tendenz bald fallend) sind nun für fast jedermann erschwinglich, nur das Radio-Programm verschlechtert sich leider deutlich… Weitere NS-Radiogeräte sind übrigens der mit Batterie laufende „Deutsche Olympiakoffer“ zur Olympiade 1936 in Berlin (die Spiele wurden damals live übertragen) sowie der „Deutsche Kleinempfänger DKE 1938“ von 1938, ein für 35 Reichsmark abgespeckter Volksempfänger.
1934: Der Begriff „Stereo“ wird mit Leben und Musik gefüllt und damit die Wortschöpfung „High Fidelity“ (oder kurz: Hi-Fi). Erste Werke mit der räumlich nach links und rechts aufgeteilten Soundwiedergabe sind Instrumental-Aufnahmen von Orchestern. Aufgrund des hohen Preises finden diese Platten aber keinen Absatz.

Magnetophon K1 von AEG
1935: Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin nimmt Fritz Pfleumers „Tonbandgerät“ endlich Gestalt an. Der Elektronikkonzern AEG stellt die ersten vier Prototypen unter der Bezeichnung „Magnetophon K1“ vor. Leider übersteht keines der Geräte einen vernichtenden Großbrand in der Ausstellerhalle 4.
1937: Der deutsche Elektrogroßkonzern Siemens führt den Saphir als Abtastnadel für Schallplatten ein. Die Vorteile: Saphire verschleißen deutlich langsamer als Stahlnadeln, die man eigentlich nach jeder Platte hätte wechseln müssen. Zudem verringert sich das Gewicht des Tonarms, wodurch sich auch die Schallplatten weniger abnützen. Durch den feineren Schliff des Saphirs gegenüber einer Stahlnadel erhöhen sich außerdem die Abtastsicherheit sowie die Klangqualität.

Magnetophon K4 von AEG
1938: AEG präsentiert das „Magnetophon K4„. Noch viel zu teuer für den Massenmarkt findet dieses Tonbandgerät aufgrund seiner praktischen Handhabung in Rundfunk-Studios großen Zuspruch. Größter Vorteil: Das eigentliche Tonband zählt mittlerweile eine Länge von bis zu 1.000 Meter, womit es bei einer Geschwindigkeit von 77 cm/s immerhin 22 Minuten Laufzeit aufweist.
© Andy Ilmberger, 2009
Hier geht es zu Teil 2 der Tonträger- und Radio-Geschichte von 1945 bis heute








