Hier geht es zu Teil 1 der Tonträger-Geschichte von 1589 bis 1945

Tonbandgerät "Soundmirror"
1945: Die US-amerikanischen Besatzer erbeuten in Deutschland diverse Tonbandgeräte und bringen sie über den großen Teich. Da deutsche Patente zu diesem Zeitpunkt nicht das Papier wert sind, auf dem sie niedergeschrieben stehen, beginnen US-amerikanische Firmen fleißig mit dem Nachbau der deutschen Geräte und bereiten sie für den heimischen Massenmarkt auf. Das erste US-amerikanische Tonbandgerät trägt den Namen „Soundmirror“ und kommt von der „Firma Brush Development Co„.

Dr. Peter Carl Goldmark
1948: Der ungarisch-amerikanische Physiker Dr. Peter Carl Goldmark (* 2. Dezember 1906 in Budapest, + 7. Dezember 1977 in New York) präsentiert am 21. Juni 1948 die Vinyl-Schallplatte als seine Erfindung. Vinyl weist deutlich weniger Grundrauschen auf als Schellack, bietet mehr Dynamik und bessere Klangeigenschaften. Mit Vinyl bekommt der Ausdruck Hi-Fi endlich seine Rechtfertigung. Zudem lassen sich die Rillen enger schneiden (100 Rillen je cm) wodurch sich die Laufzeit mit 2 x 23 Minuten (bei 33,3 Umdrehungen pro Minute) deutlich erhöht. Zusätzlich ist das Material gegen Verschleiß unanfälliger als Schellack. Bis zur Markteinführung von Vinyl-Scheiben dauert es allerdings noch bis 1952. Dr. Peter Carl Goldmark testete in den USA bereits 1940 als erster Forscher an einem Farbfernsehsystem, das letztendlich aber nie zum Einsatz kommt.

Transistor-Radio
1948: In den Forschungslabors der „Bell Laboratories“ erfinden die US-amerikanischen Ingenieure John Bardeen, Walter Brattain und William B. Shockley den Transistor. Im Vergleich zu Elektronik-Röhren sind die auf Halbleiter-Material basierenden Bauteile wesentlich kompakter und stromsparender. Am Anfang kommen Transistoren vor allem in kleinen tragbaren Radios – so genannten „Transistor-Radios“ – zum Einsatz. Heute stecken diese Halbleiter-Bauteile in wirklich jedem elektronischen Gerät in kleinstmöglicher Miniatur-Bauweise. Ein moderner Zentral-Prozessor für Computer von AMD oder Intel zum Beispiel trägt über 700 Millionen Transistoren in sich, wo jeder einzelne nur wenige Nanometer groß ist.

Single mit 45 U/min
1949: Das Platten-Label „RCA (Radio Corporation of America)“ entwickelt das Single-Format für Vinyl-Schallplatten mit 45 U/min. Mit Singles sollen vor allem kompakte und günstige Schallplattenspieler an den Mann gebracht werden. Der Verkauf von Singles startet in Deutschland anno 1953.
1949: Die Landesrundfunkanstalten in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland beginnen, ihre Radio-Sender auf das klanglich deutlich bessere und Stereo-taugliche UKW (Ultra-Kurzwelle) zu portieren.
1949: Das in Chicago ansässige Unternehmen „Magnecord Inc.“ bringt nach rund sechs Jahren Entwicklungszeit das erste Stereo-Tonband für den professionellen Einsatz auf den Markt.

Magnetophon KL15 von AEG
1951: Der deutsche Elektro-Großkonzern „AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft)“ präsentiert die ersten Tonbandgeräte unter dem Namen „Magnetophon KL15“ für den Heimgebrauch, vorgestellt auf der Industrieausstellung in Berlin.
1952: Die ersten Vinyl-Schallplatten kommen auf den Markt.
1953: Die ersten Vinyl-Singles mit der heute noch gültigen Geschwindigkeit von 45 Umdrehungen pro Minute kommen in Deutschland auf den Markt.

UKW-Autoradio Mexico von Becker
1953: Die 1949 in Pforzheim (Baden-Württemberg) gegründete Werkstattfirma „Becker“ entwickelt das erste Autoradio (namens „Mexico„) mit Sendersuchlauf und UKW-Empfang, wenn auch nur in Mono.
1954: Die anhaltende Erfolgswelle der deutschen „Helden von Bern“ bei der Fußball-WM 1954 in der Schweiz erweckt bei der deutschen Bevölkerung erstmals ein nicht vorhersehbares Interesse an TV- und Rundfunk-Übertragungsgeräten. Innerhalb weniger Tage sind die Lagerhallen der Gerätehersteller Telefunken, Saba, Mende und Philips ausverkauft.
1956: Die 1938 in Zirndorf gegründete Unterhaltungselektronik-Firma „Metz“ setzt bei dem Radio „409/3D“ erstmals bei einem Seriengerät Leiterplatten ein.
1958: Die beiden Aufzeichnungsverfahren Tiefenschrift (von Thomas Alva Edison) und Seitenschrift (von Emil Berliner) werden patentrechtlich zusammengeführt. Damit ist der Weg für Alan Blumleins Stereo-Aufzeichnugsverfahren nach 27 Jahren endlich geebnet und es entsteht das heute noch gültige Stereo-Format. Blumlein selbst erlebt seinen technischen Erfolg allerdings nicht mehr. Als erstes bringt noch im selben Jahr die Plattenfirma „Mercury“ Stereo-Scheiben in die Plattenläden, was für die Schellackplatten den endgültigen Knock-out bedeutet – Herstellung und Vertrieb wird noch im selben Jahr eingestellt.

Audio-Kassette von Philips
1963: Ein neuer Big-Player der Unterhaltungselektronik betritt das Rampenlicht: die Musik-Kassette (auch Compact Cassette) nebst dazugehöriger Geräte vom holländischen Elektronik-Konzern Philips. Erstmals ist es für jedermann möglich, mit erschwinglichen und kompakten Geräten eigene Aufnahmen zu erstellen. Als ersten Kassetten-Recorder präsentiert Philips übrigens den „EL 3300“ für 300 DM. Der Konzern verzichtete auf jegliche Lizenzgebühren für seine Entwicklung, womit das Gerät bald etliche Nachbauer findet, die damit der Kassette zu einem jahrzehntelangen Siegeszug verhelfen.

"Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" von den Beatles
1967: Die englische Popgruppe „The Beatles“ veröffentlichen am 1. Juni 1967 ihr Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band„. Dieses Meisterwerk gilt als erstes Konzeptalbum der Musikgeschichte und die Beatles schöpfen die damaligen Möglichkeiten der Aufnahmetechnik mehr als aus. Bereits am ersten Verkaufstag erlangt „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ locker Goldstatus und 1968 erhält es vier Grammies, mitunter als bestes Album des Jahres. In den ewigen Verkaufscharts Großbritanniens rangiert „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ auf Platz 2. Das US-amerikanische Musikmagazin „Rolling Stone“ wählt dieses Beatles-Glanzstück im Jahre 2003 zum bedeutendsten Album der Musikgeschichte.
1968: Die Rauschunterdrückungs-Technik „Dolby B“ für Tonbandgeräte kommt erstmals beim „KLH Model 40“ zum Einsatz. Mr. Ray Dolby gründete die Firma „Dolby Laboratories“ 1965 in England, 1976 zieht er in die USA. Nachdem sich das Unternehmen zunächst mehr mit Rauschunterdrückungen einen Namen macht, ist Dolby heute mit ihren Mehrkanal-Soundsystemen nicht mehr aus der Kinowelt wegzudenken.

Elvis Presley
1973: Am 14. Januar 1973 gibt der King of Rock-&-Roll Elvis Presley (* 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi, + 16. August 1977 in Memphis, Tennessee) auf Hawaii ein Konzert, welches erstmals weltweit via Satellit übertragen wird. Zwar gab es bereits vorher Ereignisse, die Satelliten weltweit ausstrahlten, etwa die erste Mondlandung 1969, doch Elvis war der erste Entertainer, der einen Satelliten in ein Musikmedium verwandelte. Das Konzert aus Honolulu sprengt seinerzeit alle Rekorde. Mit 2,5 Millionen US-Dollar Produktionskosten gilt es bis dato als das teuerste Konzert der Geschichte. Mit einer Zuschauerbeteiligung von weit über einer Milliarde Menschen bei teilweise 90 Prozent Einschaltquote ist es aber auch das meistgesehene Ereignis – mehr noch als bei der Mondlandung von Neil Armstrong und seiner Apollo 11.

Queen
1975: Die aufstrebende britische Rockformation „Queen“ rund um den Leadsänger Freddie Mercury soll während einer Tournee gleichzeitig noch bei „Top of the Pops“ mit ihrem neuen Hit „Bohemian Rhapsody“ live im Fernsehen auftreten. Da aber selbst Queen nicht an zwei Orten gleichzeitig spielen kann, nehmen sie kurzfristig für rund 4500 englische Pfund ein Filmchen auf, das sie als Ersatz zum Sender BBC schicken. Das Video kommt so gut an, das es daraufhin die Plattenfirma für Werbezwecke zum Ankurbeln der Plattenverkäufe von Queen benutzt. Somit gilt Queens „Bohemian Rhapsody“ als erstes Promo-Musikvideo der Musikgeschichte.
1978: Der japanische Elektronik-Konzern „JVC (Victor Company of Japan, Limited)“ präsentiert den ersten Stereo-Ghettoblaster „RC-838“ in Deutschland. Der Preis von 1.200 DM ist allerdings so gar nicht Ghetto-kompatibel.
1979: Der US-amerikanische Rock-Gitarrist Ry Cooder (* 15. März 1947 in Los Angeles) veröffentlicht mit „Bob Till You Drop“ die erste digital aufgezeichnete Schallplatte der Rock-Geschichte.

Sony Walkman "TPS-L2"
1979: Der japanische Elektronik-Konzern Sony revolutioniert am 1. Juli 1979 mit dem ersten Walkman namens „TPS-L2“ den Musikmarkt und die Hörgewohnheiten aller nachkommenden Generationen. Erstmals ermöglicht es eine Gerätegattung, seine Lieblingsmusik überall und jederzeit anhören zu können, ohne dass der Hörer damit seine Umwelt nervt… also mehr oder weniger – je nach Güte des Kopfhörers… Bis 2004 verkaufte Sony rund 335 Millionen Geräte mit dem Schriftzug „Walkman“.

Compact Disc von Sony und Philips
1979: Die beiden Elektronik-Großkonzerne Philips und Sony beginnen die gemeinsame Entwicklung der „Compact Disc Digital Audio„, abgekürzt CD-DA und umgangssprachlich kurzerhand CD genannt. Dank der CD kann der Musikfreund seine Lieblingslieder erstmals digital und somit völlig verlustfrei und ohne jegliche Störgeräusche anhören. Zudem bieten CDs gegenüber einer Langspielplatte mit maximal 2 x 25 Minuten die deutlich längere Laufzeit von 74 Minuten (mittlerweile bis zu 80 Minuten). Die fertigen Spezifikationen schreiben die beiden Hersteller 1980 in das so genannte „Red Book„. Die ersten CDs und CD-Player erscheinen von Sony 1982 (der „CDP-101„) und Philips 1983 (der „CD-100„).

Billy Joel - 52nd Street
1982: Die weltweit erste CD erscheint in Japan am 1. Oktober 1982. Die Ehre gebührt Billy Joel (* 9. Mai 1949 in New York) mit seinem Album „52nd Street“ beim Plattenlabel „Sony Music Entertainment„. Dabei wurden die allerersten CDs von PolyGram bereits am 17. August in Hannover produziert, und zwar „The Visitors“ von ABBA, Richard Strauß’ „Alpensinfonie“ von Herbert von Karajan sowie Frederic Chopin’s „Walzer“ von Claudio Arrau. Da in Europa aber noch keine CD-Player verfügbar sind, verzögert sich die Markteinführung der PolyGram-Scheiben.

Michael Jackson - Thriller
1982: Der US-amerikanische Popsänger Michael Jackson (* 29. August 1958 in Gary, Indiana, + 25. Juni 2009 in Los Angeles, Kalifornien) veröffentlicht am 30. November 1982 sein Album „Thriller„. Mit diesem Longplayer mutiert der Popstar Jackson zum unumstrittenen „King of Pop“, und setzt sich zu Lebzeiten ein Denkmal. „Thriller“ ist bis heute das meistverkaufte Album der Musikgeschichte und wanderte laut dem „Guinness –Buch der Rekorde“ bis heute über 104 Millionen Mal über die Plattentheke. Insgesamt hält sich „Thriller“ 80 Wochen in den US-amerikanischen Top-10. Von den neun Liedern koppelt Michael Jackson sieben Titel aus, die ebenfalls allesamt Top-10-Hits werden – „Billie Jean“ und „Beat It“ erklimmen sogar Platz 1. Im Windschatten des Albums „Thriller“ entdeckt Michael Jackson zudem den „Moonwalk“ für sich und perfektioniert ihn. Und mit dem Horror-Musikvideo zur Singleauskopplung „Thriller“ bringt Michael Jackson das bis dato aufwendigste, spektakulärste und mit 750.000 US-Dollar teuerste Musikvideo überhaupt hervor.

Sony Discman D-50
1984: And once again Sony: Passend zur Philosophie des Walkmans, Musik jederzeit und unterwegs genießen zu können, entwickelt Sony den ersten tragbaren CD-Player, genannt „Discman D-50„. Sein Preis liegt bei recht stolzen 500 DM.

Band Aid - Do They Know It’s Christmas?
1985: Bereits zu Weihnachten 1984 gründen Bob Geldof (* 5. Oktober 1951 in Dún Laoghaire, Irland, Leadsänger der Boomtown Rats) und der Midge Ure (10. Oktober 1953 in Lanarkshire, Schottland, Leadsänger von Ultravox) ein Bandprojekt namens „Band Aid„, an dem sich viele namhafte britische Popstars der 1980er beteiligen. Der von Midge Ure geschriebenen Song „Do They Know It’s Christmas?“ erscheint am 10. Dezember 1984 und beinhaltet unter anderem die Stimmen von Phil Collins, Paul Young, Bono (U2), Simon Le Bon (Duran Duran), Tony Hadley (Spandau Ballet), George Michael (Wham), Bananarama, Sting (The Police), David Bowie, Boy George (Culture Club), Paul McCartney, Holly Johnson (Frankie goes to Hollywood), Freddie Mercury (Queen), Annie Lennox (Eurythmics) und viele mehr… Die Single erreicht in 13 Ländern Platz 1 der Hitparade und spielte insgesamt 12 Millionen Euro gegen den Hunger in Afrika ein. Motiviert durch diesen Wahnsinns-Erfolg von „Band Aid“ initiiert Bob Geldof im Jahre 1985 das Benefizkonzert „Live Aid“ zu Gunsten Afrikas, datiert auf den 13. Juli 1985. Geldof organisiert damit das bis dahin größte Rockkonzert der Menschheits-Geschichte. Das Konzert dauert 16 Stunden und findet zeitgleich im Wembley-Stadion in London sowie im John-F-Kennedy-Stadion in Philadelphia statt. Immer abwechselnd treten auf diesen Bühnen nahezu alle angesagten Pop- und Rock-Größen ihrer Zeit auf, angereichert mit ein paar Wiedervereinigungen von Kultbands vergangener Tage wie etwa „The Who“ oder „Led Zeppelin“. Die Aufzählung aller Künstler würde diesen Artikel sprengen, trotzdem seien als Highlights erwähnt: Ultravox, Nik Kershaw, Queen, Madonna, U2, Dire Straits, Phil Collins, Duran Duran, Tina Turner, Bryan Adams, Paul McCartney, Beach Boys, Simple Minds, The Boomtown Rats, Spandau Ballet, The Hooters, Sting, Elton John, Rick Springfield, Paul Young, Mick Jagger, David Bowie, Thompson Twins, Bob Dylan, Hall & Oates… und, und, und … zum Finale natürlich das Bandprojekt „Band Aid“ aus London sowie „USA for Africa“ aus Philadelphia. In den Zwischenpausen dürfen dann auch Bandformationen anderer Nationen wie Deutschland mit „Band für Afrika“, Österreich mit „Austria for Afrika“, Australien mit „Oz for Africa“ sowie Holland, Jugoslawien, UdSSR und Norwegen via Satellit dazwischenfunken. Dieses Konzertspektakel verfolgen weltweit 1,5 Milliarden Menschen, an Spenden kommen insgesamt über 100 Millionen Euro für die Hungerhilfe in Afrika zusammen.
1987: Sogar das Radio wir digital: Im Rahmen des EU-Projekts „Eureka 147“ entsteht das „DAB (Digital Audio Broadcasting, oder volksnäher: Digital Radio)“, was den Traum vom digitalen und somit störungsfreien Radio-Empfang über Antenne oder Kabelanschluss verwirklichen soll. Zudem bietet DAB einzelne Zusatzfunktionen wie die Übertragung von 5.1-Sound oder die Meldung hoher Verkehrsaufkommen. DAB wird in den einzelnen Ländern sukzessive weiter ausgebaut und ist derzeit in etwa 40 Ländern mehr oder weniger ortsunabhängig empfangbar. Lediglich in Deutschland, in der Schweiz, Belgien, Dänemark und Großbritannien steht DAB flächendeckend zur Verfügung. Ähnlich wie etwa bei DVB-T benötigt DAB ein eigens dafür ausgelegtes Empfangsgerät.

DAT - Digital Audio Tape
1987: Das „Digital Audio Tape“ oder kurz DAT taucht in Deutschland auf. Bereits 1983 regte die Unterhaltungselektronik-Industrie die Entwicklung eines Nachfolgers der Audio-Kassette an. Zwei Jahre später stehen sich jedoch zwei gegensätzliche Ansätze gegenüber: Auf der einen das technologisch interessantere R-DAT („R“ für rotierenden Schreib/Lesekopf) und auf der anderen das zur analogen Kassette abwärtskompatible S-DAT („S“ für stationärer Schreib/Lesekopf). Letztendlich findet R-DAT die größere Zustimmung und setzt sich unter dem heute bekannten Namen DAT durch. Die Befürworter für S-DAT (namentlich Philips und Matsushita mit seinen Tochterfirmen Technics und Panasonic) verziehen sich wieder ins Forschungslabor und entwickeln bis 1993 weiter an ihrer S-DAT-Variante – später bekannt als DCC (Digital Compact Cassette). DAT selbst erlangt bereits 1986 Serienreife, doch sperrt sich die ganze Musikindustrie gegen eine Markteinführung, da es mit DAT erstmals möglich wäre, CDs völlig verlustfrei zu kopieren. Zum Weihnachtsgeschäft 1987 kommen trotzdem die ersten Geräte in Deutschland in den Handel, allerdings mit einem massiven Kopierschutz, der das digitale Kopieren von CDs verhindert. Weitere zwei Jahre später einigen sich Gerätehersteller und Musikindustrie auf einen Kopierschutz namens „SCMS“, der je CD wenigstens eine digitale Kopie erlaubt. Trotzdem bleiben die Geräte mit ihrer aufwendigen Mechanik auch Anfang der 1990er sehr teuer und mit Sonys Mini-Disc und Philips DCC bekommt DAT auch noch technisch handsamere Konkurrenz. Letztendlich findet DAT nur in Studios und Radiostationen ihr Einsatzgebiet, wo man es aber immerhin bis heute noch sehr schätzt, weil es ohne jegliche Datenkompression arbeitet. Nach Mini-Disc und DCC schreit heute hingegen niemand mehr.
1988: Von 1983 ab bis 1987 entwickelt die „Europäische Rundfunkunion“ das „Radio Data System„, kurz RDS: Offiziell verfügbar ist RDS seit dem 1. April 1988. RDS ist eine Art passiver Videotext für Radios. Mit dem akustischen Signal werden zusätzliche Daten mit zum Empfangsgerät gesendet. Dies kann im einfachsten Fall der Sendername sein oder zum Beispiel Auskünfte zum eben gespielten Künstler, geht weiter über versteckte Informationen wie Programmart des Radiosenders, alternative Empfangsfrequenz oder die Uhrzeit bis hin zu Verkehrsmeldungen und Katastrophen-Warnungen. Allerdings werden nicht alle Funktionen von jedem Sender gleichermaßen ausgenutzt.

Sonys MD - Mini-Disc
1991: Aus dem Ehrgeiz, immer bessere Soundqualität auf kleinerem Raum unterzubringen, entwickelt Sony ein Musik-Komprimierungsverfahren (ATRAC) und verpackt es auf die so genannte Mini-Disc – oder kurz MD. Sony positioniert die MD gegen die langsam in die Jahre kommende Musik-Kassette sowie gegen das im privaten Bereich gescheiterte DAT. Die Mini-Disc gleicht einer CD-Single in einem Cardridge-Gehäuse. Im Gegensatz zur (damaligen) CD lässt sich die MD beliebig oft überspielen, weil sie nicht gebrannt, sondern von einem Laser lediglich magneto-optisch ausgerichtet wird. Die Soundqualität ist recht nah an der CD und die kompakte Bauform der MDs erlaubt sehr kleine Geräte für unterwegs, die zudem deutlich unempfindlicher gegen Erschütterungen sind als CDs. Den Geräte-Auftakt macht 1992 der tragbare Mini-Disc-Recorder Sony MZ-1. Die Mini-Disc schlägt sich im Rennen um die Nachfolge der Audio-Kassette gegen DAT und DCC noch am wackersten, wenngleich sie nicht annährend den Hype der Kassette selbst erreicht. Durch die Marktakzeptanz von MP3 verabschiedete sich Sony mit der MD als letzter Gerätehersteller 2007 aus Europa.

DCC - Digital Compact Cassette
1992: Als direktester Thronfolger der Audio-Kassette stellt Kassetten-Erfinder Philips zusammen mit Matsushita (Muttergesellschaft der Elektronikkonzerne Technics und Panasonic) die DCC (Digital Compact Cassette) vor. Die Entwicklung hierzu begann bereits 1983 im Rahmen einer internationalen DAT-Konferenz auf der Suche nach einem Kassetten-Nachfolger. 1985 gab die Kommission aber dem R-DAT den Vorzug gegenüber dem damals unter S-DAT laufenden DCC. Zur Markteinführung muss sich die DCC mit DAT und der Mini-Disc messen. Obwohl die DCC als einziges Medium zum direkten Vorgänger abwärtskompatibel ist (allerdings nur abspielen, nicht aufnehmen) und deutlich weniger kostet, weist sie gegenüber DAT und MD zu viele bedienerische Mängel auf. Das Fehlen direkter Titelsprünge oder das Neuanordnen bereits aufgespielter Lieder sowie die Umspulzeiten eines Bandes will im CD-Zeitalter niemand mehr akzeptieren. Bereits 1996 verschwindet die DCC wieder vom Markt.
1993: Für den PC-Bereich erscheinen die ersten CD-Brenner. Damalige Geräte kosten in den Anfangsjahren mit entsprechender Brennsoftware locker 20.000 DM! Erster stationäre HiFi-CD-Recorder für den Heimgebrauch tauchen Mitte der 1990er auf, verweigern aber auf Druck der Schallplatten-Industrie jegliche digitale 1:1-Kopie von Audio-CDs. Das übernehmen dann ab 1997 die CD-Brenner in den PCs, als Brenner erstmals für rund 1.000 DM über die Ladentheke wandern.

MP3-Player PMP300 von Rio
1995: Bereits 1982 startet das „Fraunhofer-Institut“ in Erlangen in Zusammenarbeit mit der „Friedrich-Alexander-Universität zu Erlangen und Nürnberg“ sowie den Unternehmen „AT&T Bell Labs“ und „Thomson“ eine Studie, wie sich Musik möglichst verlustfrei komprimieren lässt. Ziel ist es, den Datenstrom eines Musik-Stückes so zu entschlacken, dass der benötigte Speicherplatz eines komprimierten Liedes nur noch einen Bruchteil von dem des Originals entspricht, ohne dass dabei das menschliche Ohr einen Verlust der Klangqualität wahrnimmt. Der Trick dabei: im Stück vorhandene leise Töne, die quasi im Windschatten lauterer Töne ohnehin ungehört blieben, rechnet ein intelligenter Algorithmus einfach heraus. Das daraus entstehende Komprimierungsverfahren läuft unter dem technischen Begriff „ISO MPEG Audio Layer 3„, der Volksmund nennt es kurzerhand MP3. 1995 erscheinen die ersten MP3-Medien-Player für den PC sowie einzelne tragbare MP3-Endgeräte. Doch erst der im September 1998 eingeführte MP3-Player „Rio PMP300″ erreicht nennenswerte Marktbedeutung. Er kostet etwa 250 US-Dollar und speichert auf seinen 32 MB Kapazität etwa acht Lieder in CD-Qualität. Übrigens: das erste jemals ins MP3-Format komprimierte Lied ist „Tom’s Diner“ von Suzanne Vega.
1995: Die Sendeanstalten ORB und SFB erproben zusammen mit der „Technischen Universität Berlin“ sowie dem neu gegründeten Sender „Info-Radio Berlin Brandenburg“ den Sendebetrieb über Internet. Allerdings spricht der Fachmann bei Internet-Radio nicht mehr vom Senden, sondern vom Streamen. Mittlerweile hält das Internet-Radio weit über 25.000 Radiosender aus allen möglichen Sparten für den Radio-Hörer bereit, mit inbegriffen praktisch alle etablierten Rundfunkanstalten und Privatsender, die man auch vom normalen Radio-Betrieb kennt. Der Vorteil von Internet-Radio: Das Programm läuft weitgehend frei von terrestrischen Störungen ab und der Hörer kann auf eine schier unerschöpfliche Programmauswahl aus der ganzen Welt zurückgreifen. Und natürlich lässt sich über Internet auch in Australien, Usbekistan, Kongo oder wo auch immer der heimische Lieblingssender empfangen, sofern ein Internetanschluss besteht. Der Nachteil: Man braucht wenigstens einen DSL-Anschluss sowie einen PC oder ein entsprechendes Internet-Radiogerät. Und das Programm trifft beim Hörer bis zu 10 Sekunden später ein – bei Fußball-Übertragungen kommt es mitunter vor, dass der Nachbar am Kofferradio bereits jubelt, während man als Internet-Lauscher vor Spannung noch Nägel kaut. Als sehr weit verbreitet gilt Internet-Radio bislang noch nicht. In ganz Europa geht man derzeit von 20 Millionen Hörern aus.

"12 Monkeys"
1996: Ende 1995 einigen sich die großen Hersteller der Unterhaltungsindustrie sowie die Filmindustrie auf den Standart der DVD (Digital Versatile Disc) als Nachfolger für die VHS-Kassette. Die DVD sieht aus wie eine CD, weist aber mit bis zu 8,5 GB über das Zehnfache an Speicherkapazität auf. Im Gegensatz zur CD oder Video-Kassette lassen sich erstmals Filme in kinoreifer Qualität für den Heimgebrauch speichern. Ein Jahr später, also 1996, gelangen erste Abspielgeräte und wenige Filme in den Handel. Die erste DVD in Europa („12 Monkeys„, mit Bruce Willis und Brad Pitt) kommt gar erst 1997 in den Handel und bleibt für lange Zeit der einzige verfügbare Film. Im Jahre 2000 soll die DVD nach der Videokassette auch noch die CD vom Markt verdrängen, und zwar mit dem Format DVD-Audio. Trotz technisch ausgefeilterer Möglichkeiten wie Mehrkanalsound und theoretisch besserer Klangeigenschaften zeigt die Käuferschaft jedoch wenig Lust, nach den Vinylplatten jetzt schon wieder ein weiteres Medium zum alten Eisen zu legen.
1999: Mit der Musik im MP3-Format starten auch illegale Internettauschbörsen wie „Napster„, „KaZaA“ und Co ihr Unwesen und begeistern während ihrer Blütezeit um 2001 etwa 80 Millionen Tauschwillige, allein Napster zählt rund 65 Millionen. Den Plattenfirmen bescheren solche Tauschdienste nach eigenen Aussagen Milliardenverluste. Doch bereits im Sommer 2001 erzwingt die Plattenindustrie die endgültige Abschaltung der größten Tauschbörse Napster im Internet. Danach etablieren sich etliche legale Musik-Internetdienste wie „iTunes Music Store“ oder Telekoms „Musicload“, die es schaffen, unter Einhaltung der Urheberrechte die Downloads nur gegen Geld anzubieten.

Apples erster iPod 2001
2001: Am 23. Oktober 2001 stellt der Apple-Präsident Steve Jobs der Weltpresse den ersten mobilen Musikplayer von Apple vor: der „iPod“ („i“ steht für Information, „Pod“ für Hülse). Bereits der erste iPod revolutioniert mit seinem „Click-Wheel“ das Bedienkonzept und rangiert zum Vorbild vieler anderer Hersteller. Der Ur-iPod arbeitet mit einer 1,8-Zoll-Festplatte und weist für damals sensationelle 5 GB Speicherkapazität in kompakter und schicker Form auf. Vor allem schafft es der iPod durch sein edles Design auf Anhieb, MP3-Player aus der Teenie- und Schmuddel-Ecke hervorzuholen. Plötzlich ist es auch für Geschäftmänner in edlem Zwirn und eleganten Damen durchaus en vogue, mit weißen Stöpseln im Ohr herumzulaufen. Auch der Einführungspreis von 530 Euro erinnert sehr an ein hochkarätiges Schmuckstück. Mittlerweile liegt die sechste Generation des iPods vor, fasst bis zu 160 GB und spielt neben Musik auch Videos ab oder lädt zum Spielen ein – erhältlich unter dem Typ „iPod Classic“. Zum „Classic“ gesellen sich zudem zahlreiche kompaktere Player wie die beiden iPods „Shuffle“ und „Nano“, Trendsetter und Manager lassen hingegen nur den edlen iPod „touch“ oder gleich das um die Telefonfunktion erweiterte „iPhone“ in die Sakkotasche.
2001: CD-Rohlinge gehen weg wie gebacken Brot und übertrumpfen nach Angaben der Musikindustrie in ihren Absatzzahlen erstmals die der regulären Audio-CDs – irgendwo muss der MP3-Stoff von Napster schließlich hin… Im Zuge dessen führen die Plattenlabels erstmals Kauf-CDs mit Kopierschutz ein, um so digitale Kopien zu verhindern. Solcherlei Maßnahmen erweisen sich jedoch als Schuss nach hinten. Legale Käufer können ihre Audio-CDs in manchen Playern plötzlich nicht mehr wiedergeben, die Raubkopierer schreckt die Maßnahme hingegen weder technisch noch moralisch ab. Letztendlich brechen durch die Verärgerung der Käufer die Absatzzahlen noch weiter ein. Mittlerweile sehen die meisten Plattenfirmen von ihrem Kopierschutz deswegen wieder ab.

Bob Geldof
2005: Fast genau 20 Jahre nach „Live Aid“, dem bis dato weltgrößten Rock-Konzert aller Zeiten, organisiert der einstige Initiator Bob Geldof (* 5. Oktober 1951 in Dún Laoghaire, Irland) zusammen mit dem U2-Sänger Bono (* 10. Mai 1960 in Dublin) ein noch gigantischeres Musik-Spektakel: „Live 8„. Fand „Live Aid“ anno 1985 mit London und Philadelphia noch in zwei Städten parallel statt, röhren am 2. Juli 2005 die Gitarrenriffs nun sogar an zehn verschiedenen Orten gleichzeitig, und zwar in Berlin, Paris, London, Rom, Philadelphia, Toronto, Moskau, Johannesburg, Chiba in Japan und im Eden Project in Cornwall/England. Am 6. Juli organisiert der Rockstar Peter Gabriel (* 13. Februar 1950 in Surrey, England) zusätzlich noch ein elftes Konzert in Edinburgh/Schottland, bei dem vorrangig afrikanische Popgrößen auftreten. Ziel von „Live 8″ ist diesmal weniger eine große Geldspende, sondern den zeitgleich in Schottland stattfindenden G8-Gipfel dazu zu bewegen, den ärmsten Ländern Afrikas die Schulden zu erlassen. Dazu brauchen die Organisatoren kein Bargeld, sondern die Unterschriften der Bevölkerungen aus aller Welt – 24 Millionen Signaturen kamen auf diese Weise zusammen. Das bislang größte Musikspektakel der Menschheits-Geschichte umfasst zehn Städte auf vier Kontinenten, 170 Pop/Rock-Stars spielen 50 Stunden lang, rund 140 Fernsehstationen und 400 Rundfunksender übertragen die Konzerte zu 3 Milliarden Menschen hin, auf den Konzerten selbst feiern nochmals rund 1,7 Millionen Musik-Fans. Der UNO-Generalsekretär Kofi Annan (* 8. April 1938 in Kumasi/Ghana) würdigt die Veranstaltung mit den Worten: „Hier sind wirklich vereinte Nationen!“
2007: Hiobsbotschaft für die CD und derer Besitzer! Aus den versprochenen 80 Jahren Lebensdauer der Musikindustrie für CDs werden in manchen Fällen ganz schnell 10 bis 20 Jahre. Betroffen sind vor allem ältere Discs aus den Anfängen der CD von 1983 bis 1986, wo sich teilweise der chemische Werkstoff des Labelaufdruckes in die Datenschicht frisst.
Zukunftsmusik: Die „Technische Universität in Berlin“ arbeitet gerade an eine so genannten Holo-Disc mit dem Durchmesser einer normalen CD (12 cm), auf der bis zu 1.000 Gigabyte an Daten passen soll. Zum Vergleich: auf eine CD passen 700 MB oder rund 175 MP3-Lieder (bei 4 MB pro Titel = 25 Titel je 100 MB), auf eine Single-Layer-DVD passen 4,3 GB oder rund 1.075 MP3-Lieder (auf eine Dual-Layer-DVD also das Doppelte), auf eine Blu-ray-Disc passen maximal 50 GB oder rund 12.500 MP3-Lieder, auf einer Holo-Disc mit 1.000 GB passen demnach 250.000 MP3-Lieder. Nicht das man sie wohl für so etwas ernsthaft verwenden würde… aber man könnte.
© Andy Ilmberger, 2009
Hier geht es zu Teil 1 der Tonträger-Geschichte von 1589 bis 1945








Wow, ein toller sehr ausführlicher Bericht! Habe ich so aufgestellt bisher noch nicht gesehen. Danke für die Mühe! Ich möchte mich auch für den persönlichen Hinweis bedanken. Gerne werde ich auch diesen Bericht auf unserer Webseite verlinken. Ich wünsche viele weitere Leser. Ich werde auf jeden Fall öfters die neuen Wortgefechte ansehen.
Oh du bist einfach so gut
Ich muss jetzt einfach mal den obigen Kommentar hier noch mit bewerten,… Krass wie gut dein Wortgefecht angenommen wird
Ich finds so toll
hallo,
Glückwunsch für den ausführlichen Bericht.
Mein Name ist Manfred Schmidt-Pagel vom Bremer Rundfunkmuseum.
Ich plane eine Ausstellung über die Geschichte des Tonträgers inc. Video und Bildplatte. Ich bitte um Genehmigung für die Verwendung einzelner Passagen. Zu erreichen bin ich unter XXXXX-XXXX.
Rufe auch gerne zurück.
Einen Lieben Gruß aus Bremen sendet
Manfred
Oh wow,… ich muss dich mal wieder loben,… das ist ja mal eine WAHNSINNS Bestätigung für dich und dein Talent!!!
DU bist einfach so GUT