
Sean Connery als James Bond 007
„Weltherrschaft – immer wieder der alte Traum. Unsere Kliniken sind voll von Menschen, die glauben sie wären Napoleon… oder Gott!“ Sean Connery alias James Bond zu seinem Widersacher Dr. No (Joseph Wiseman) in „James Bond jagt Dr. No“.
Seit fast 50 Jahren rettet nun James Bond die Welt vor größenwahnsinnigen und nach Weltherrschaft strebenden Superschurken auf der Kinoleinwand. Als erstes trat Sean Connery in den schnicken Anzug des 007-Superagenten und schuf damit gewissermaßen die Referenzverkörperung für alle nachfolgenden Bond-Darsteller wie George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig. Im August feiert Sean Connery seinen letzten Geburtstag aus der 7er-Dekade (79.). Grund genug, das Leben des Begründers der Bond-Mania auf Wortgeflecht in einer kleinen Biografie einmal Revue passieren zu lassen.
Das Leben des Sean Connery vor seiner Zeit als James Bond
Am 25. August 1930 bringt Euphamia Connery (geborene Maclean) in Edinburgh (Schottland) den Sohn Thomas Sean zur Welt. Der Vater des kleinen Thomas und dessen jüngeren Bruder Neil, der Lastwagenfahrer Joseph Connery, schuftet nebenbei als Tagelöhner in einer Gummifabrik, um die vierköpfige Familie über Wasser zuhalten. Mutter Euphamia, oder kurz Effie, arbeitet zudem als Putzfrau, um das karge Einkommen etwas aufzubessern. Als Babys schlafen die Brüder Thomas und Neil je in einer Kommoden-Schublade, weil das Geld für die Betten nicht ausreicht. Bad und WC teilt sich die Familie in der Mietskaserne mit acht weiteren Parteien.

Sean Connery als Vollmatrose bei der Royal Navy
Bereits während seiner Kindheit besteht Thomas Sean Connery auf „Sean“ als Rufname, vermutlich aus Sympathie zu einem irischen Freund namens Séamus. Früh morgens, bevor Sean in die Schule geht, trägt er Milch aus, um seine Familie finanziell unterstützen zu können. Der morgendliche Stress ist Grund genug für Sean Connery, seine Schulzeit auf ein Minimum zu begrenzen. Mit 13 verlässt Sean die Penne, was er noch meint wissen zu müssen, liest er sich selbst an. Zunächst macht Sean Connery als Milchmann weiter, jetzt aber mit einem LKW als Auslieferfahrzeug unter dem Hintern. Der schwere Job des Milchkannen-Stemmens formt aus dem Jüngling schnell einen muskelbepackten Hünen. Seinen wohlgeformten Körper stellt der Teenager Sean Connery als Bademeister gekonnt zur Schau. Im Alter von 16 entscheidet sich Sean für eine Militär-Laufbahn und unterschreibt für sieben Jahre bei der Royal Navy. Doch statt der erhofften Orden und Beförderungssterne holt sich Sean Connery lediglich ein Magengeschwür, dass ihn bereits nach drei Jahren wieder von der Royal Navy befreit. Heute erinnern nur noch zwei Tätowierungen auf dem Unterarm an seine Zeit als Vollmatrose: „Mum and Dad“ sowie „Scotland forever“. So stellt Sean Connery früh klar, dass er seine Eltern liebt und er bekennender schottischer Patriot ist.
Nach seiner „Militär-Karriere“ geht Sean Connery den unterschiedlichsten Jobs nach: zunächst als LKW-Fahrer (das konnte er ja schon), dann als Maurer, Leibwächter und Sargschleifer – letzteres hat er schon mal mit seinem späteren Entdecker Albert R. Broccoli gemeinsam… Als Ausgleichssport für seine scheinbar nicht auslastenden Jobs betreibt Sean Connery zusätzlich noch Bodybuilding. Fast einen Karrieresprung macht Sean Connery, als er einen Job bei einer Abendzeitung in Edinburgh als Druckergehilfe und Korrektur-Leser erhält. Bei dieser hochangesehenen Arbeit kann Sean Connery erstmals mit Anzug erscheinen, zudem bekommt er einen eigenen Schrank, ein Waschbecken und eine Fünftagewoche. So bleibt Sean Connery Zeit, noch mehr seinen „Body zu builden“ – vornehmlich mit Gewichtheben, wie es heißt. Seine Körperformen verschaffen Sean Connery eine Stellung als Aktmodell bei der Kunstakademie in Edinburgh, zumeist als griechischer Athlet oder römischer Krieger. Hinzu kommen so langsam erste Statistenrollen am Theater sowie diverse Werbeclips.

Bodybuilder Sean Connery als Drittplatzierter bei der Wahl zum Mr. Universum
Anno 1950 motivieren Sean Connery die gierigen Blicke auf seinen Körper zur Teilnahme am Wettbewerb zum Mister Universum. Am Ende des Muskelwettstreits belegt er Platz drei und erhält Beziehungen zur „South-Pacific“-Theatergruppe, bei denen er für monatlich 140 US-Dollar einen Statisten-Vertrag bekommt. Nach seinen Muskeln entwickeln sich nun auch Sean Connerys schauspielerische Fähigkeiten und Auftritt für Auftritt spielt er sich in der Besetzungsliste ein Stückchen weiter nach vorne. Doch nicht nur als Bühnen-Schauspieler gibt Sean Connery eine gute Figur ab. Bei einem Gastspiel in Manchester um 1956 entdecken Späher von „Manchester United“ das fußballerische Talent des Schotten und wollen ihn vom Fleck weg verpflichten. Doch mittlerweile findet Sean Connery zuviel Gefallen an der Schauspielerei und lehnt dankend ab. Vermutlich war diese Entscheidung Connerys großes Glück: bekanntermaßen stürzte im Februar 1958 ein Flugzeug mit der Profimannschaft von Manchester United über München ab – in dieser hätte dann auch Sean Connery sitzen können.
Stattdessen verpflichtet 1958 die Filmproduktionsfirma „20th Century Fox“ den ballgewandten Schotten und setzt ihn in einer Reihe von so genannten B-Movies ein. Darunter versteckt sich unter anderem auch eine Tarzan-Verfilmung („Tarzans größtes Abenteuer“) sowie als Highlight das Liebesdrama „Herz ohne Hoffnung“ („Another Time, Another Place“) neben dem damaligen Superstar Lana Turner. Die Kritiken gehen allerdings nicht sehr behutsam mit dem Kino-Neuling um. So kommentiert die New York Times das Auftreten Connerys mit: „Hauptdarsteller Sean Connery ist zwar noch sehr jung im Filmfach, aber er wird darin auch nicht alt werden.“ Einziger Auftritt von Bedeutung aus dieser Zeit bleibt daher für Sean Connery eine Nebenrolle Anfang der 1960er in dem Weltkriegsdrama „Der längste Tag“ neben Stars wie Richard Burton, Gert Fröbe, Henry Fonda, Curd Jürgens, Robert Wagner und vielen mehr.
Das Leben des Sean Connery als James Bond
Anfang der 1960er ist es auch, als Albert R. Broccoli und Harry Saltzman den Romanhelden James Bond eines britischen Autors namens Ian Fleming auf die Kinoleinwand zaubern wollen. 1961 besitzen die beiden sowohl die Lizenzrechte von Ian Fleming als auch das nötige Kleingeld. Was fehlt, ist ein geeigneter Hauptdarsteller, der dem kommenden Kinohelden für eine ganze Filmreihe den nötigen Stempel aufdruckt. Als Favoriten gelten eigentlich Cary Grant und Roger Moore. Doch Cary Grant fühlt sich schon etwas zu alt und will sich nicht mehr für drei Actionfilme vertraglich binden, Roger Moore hingegen würde gerne, kommt aber aus einem laufenden Vertrag nicht heraus. Und so startet die Zeitung „Londoner Express“ 1961 unaufgefordert eine Leserumfrage, wer denn nach Lesermeinung der geeignetste James Bond wäre: Zur Auswahl stehen immerhin Richard Burton, James Mason, Patrick McGoohan, David Niven (der James Bond in der Bond-Persiflage Casino Royale von 1967) sowie der Außenseiter Sean Connery.

Sean Connery mit seiner ersten Ehefrau Diane Cilento
Die Leser vom Londoner Express entscheiden sich zur Überraschung aller für den Underdog Sean Connery, so dass sich das Produzenten-Duo Broccoli & Saltzman den „ungeschliffenen“ Schotten doch genauer anschauen wollen. Harry Saltzman erzählte über das erste Treffen mit Sean Connery: „Wir unterhielten uns und merkten sofort, dass er die erforderliche Männlichkeit besaß, die die Rolle verlangte. Wenn er irgendetwas besonders betonen wollte, klopfte er mit der Faust instinktiv auf seine Knie und auf den Tisch. Man spürte sofort, in dem Burschen steckt was. Als er unser Büro verließ, sahen wir durch das Fenster seine Gangart. „Das ist es!“ sagten wir und der Vertrag wurde unterschrieben.“ Hinzu kommt sicherlich noch der Umstand, dass Sean Connery als schauspielerischer Nobody spottbillig zu kriegen ist – er erhält für „James Bond jagt Dr.No“ (1962, „Dr. No“) lediglich 6.000 englische Pfund – und er sich auf Anhieb bereit erklärt, für fünf Bond-Filme zu unterschreiben. Dabei ist sich Sean Connery zunächst selbst nicht so sicher, ob er den Vertrag annehmen sollte und erst nach Rücksprache mit seiner Verlobten Diane Cilento (Ehe von 1962 bis 1973, ein Sohn namens Jason), die ihm zu einem gewissen Augenzwinkern in dieser Rolle rät, unterschreibt er. Eine Parallelität der Ereignisse: auch Gert Fröbe unterschreibt für Goldfinger erst auf Anraten seiner Frau und der Bemerkung, er solle es einfach etwas mit Humor nehmen…
Noch mehr Zweifel als Sean Connery über die James Bond-Besetzung quälen allerdings den Bond-Erfinder selbst: Ian Fleming! Nach dem ersten Treffen zwischen Ian Fleming und Sean Connery scheint der Schriftsteller fast entsetzt und meint nur, „dass dieser ungehobelte Schotte nicht gerade dass sei, was er sich als James Bond vorstellte. Er hätte für diese Rolle einen Gentleman und Commander gesucht, und keinen übergroßen Stuntman.“ Doch Albert R. Broccoli und Harry Saltzman sind zu dieser Zeit bereits überzeugt von ihrem Bond-Darsteller und schmettern die Bedenken Ian Flemings zurück. Außerdem beteuert Ian Flemings bessere Hälfte den Bond-Erfinder, dass Sean Connery genau die richtige sexuelle Anziehungskraft hätte, auf die Frauen stehen. Während der Dreharbeiten zu „James Bond jagt Dr. No“ mit Ursula Andress als Bond-Girl raufen sich Fleming und Connery aber doch zusammen und sie arbeiten gemeinsam an der Darstellung des James Bond auf der Leinwand, wie Sean Connery 1962 berichtet: „Als ich mit Fleming über Bond sprach, sagte er, als er den Charakter kreierte, war Bond ein sehr einfaches, vorwärts gerichtetes, grobes Instrument der Polizei, das knurrend seinen Job verrichtet. Aber er hatte auch eine Art von spezieller Empfindsamkeit, die dann als snobistisch empfunden wurde. Dazu gehört sein Weingeschmack. Wenn er aber konstant mit den gefährlichsten Situationen zu kämpfen hat, die sein Job so mit sich bringt und sich in einem starken, schwierigem Umfeld aufhalten muss, dann gönnen wir ihm, dass er alle seine Sinne befriedigt, ob es nun Sex, Wein, gutes Essen oder Kleidung sind, denn sein Job kann ihn jeden Moment sein Leben kosten.“ Nach der erfolgreichen Premiere zu „Dr. No“ ändert Ian Fleming seine Meinung ohnehin um 180 Grad – er ist dermaßen von Sean Connery beeindruckt, dass er in späteren Romanen die Eltern James Bonds von schweizerisch-deutsch auf schweizerisch-schottisch ändert.

Kinoplakat zum James-Bond-Abenteuer "Goldfinger"
Der unerwartet große Erfolg von „James Bond jagt Dr. No“ lässt die Produzenten Broccoli und Saltzman nicht lange zögern, um sofort mit dem nächsten James-Bond-Abenteuer zu beginnen. Bei „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963, „From Russia With Love“) verfügen die Filmemacher mit zwei Millionen US-Dollar bereits über doppelt soviel Budget wie für das Erstlingswerk. Der fertige Film übertrifft abermals alle Erwartungen und Sean Connery mutiert nun sogar in den USA und in Asien zum Star – dazu sagt man dann wohl Weltstar. Diesen Titel festigt sich Sean Connery bereits ein Jahr später in „Goldfinger“ (1964, „Goldfinger“) mit Honor Blackman alias Pussy Galore an seiner Seite und Gert Fröbe als Auric Goldfinger gegen sich. Der Film „Goldfinger“ kostet die Produzenten bereits drei Millionen US-Dollar, unter anderem wird auch Sean Connery immer teurer. Für viele Fans gilt „Goldfinger“ als der beste James-Bond-Film, was unter anderem an Gert Fröbes perfekter Verkörperung eines Oberschurken liegt sowie dem ersten Auftritt des Aston Martin als James Bonds Superauto. Aber auch Sean Connery selbst spielt in Goldfinger an seinem Zenith als James Bond – maximal motiviert, schauspielerisch ausgereift und doch jung und dynamisch. Ähnlich empfindet es das Kinopublikum, das angesichts des coolen Hauptdarstellers und des Action-Spektakels auf der Leinwand sogar das mittlerweile benötigte Toupet von Sean Connery bereitwillig übersieht.
Mittlerweile zählt Sean Connery zu den absoluten Top-Stars unter den Schauspielern, so dass sich sogar Connerys Wünsche wie von selbst erfüllen. So war es immer ein Traum Connerys, eines Tages in einem Film des US-amerikanischen Regisseurs Alfred Hitchcock mitzuspielen. Und prompt läutet Alfred Hitchcock eines Tages durch und bietet dem Bond-Mimen die Hauptrolle in seinem Psycho-Thriller „Marnie“ (1964) an. Sean Connery erlaubt sich dann sogar noch die Frechheit, das Drehbuch vorher lesen zu wollen, was Hitchcock gegenüber fast einer Majestätsbeleidigung gleich kommt. Schließlich einigen sich die beiden und der Psycho-Thriller kommt zustande. An den Kinokassen allerdings flopt „Marnie“ trotz des Dreamteams Hitchcock und Connery – ein Vorbote auf die Schauspielkarriere Sean Connerys nach James Bond. Nur etwas besser kommt im Kino das Kriegsgefangenen-Drama „Ein Haufen toller Hunde“ (1965) an, das Sean Connery zusammen mit dem Regisseur Sidney Lumet („Die zwölf Geschworenen“) dreht. Von den Erfolgen der Bondfilme bleiben alle Streifen weit zurück.
Trotzdem schleichen sich bei den Dreharbeiten zum vierten Bond-Spektakel „Feuerball“ (1965, „Thunderball“) im gleichen Jahr bei Sean Connery erste Amtsmüdigkeiten ein. Mit den neu entdeckten Möglichkeiten seines Bekanntheitsgrades, auch mal gänzlich andere Filme zu machen, fühlt sich Connery vom Doppelnullagenten zunehmend gelangweilt. Außerdem schlittert Sean Connery immer tiefer in eine Identitätskrise. Egal ob auf der Straße, am Drehort oder wo auch immer, jedermann redet Connery nur noch mit Bond an. Nachdem Feuerball 1965 in den Kinos anläuft, verstört Sean Connery seine Fans zunehmend mit Äußerungen wie diesen: „Sie laufen hinter mir her wie die Feuerwehr. Ich wusste, dass Bond populär ist, aber das ist unglaublich. Niemand von uns hätte vorhersehen können, wie Bond einschlagen würde, ich am wenigsten. Ich stimme zu, dass er möglicherweise mehr für mich getan hat, als für irgendeinen anderen Schauspieler in der Geschichte. Ich will nicht undankbar sein, aber stellen Sie sich vor, Sie würden seit vier Jahren jeden Tag dieselben Fragen gestellt bekommen. Ich habe die Nase von diesem James Bond wirklich voll. Wohin soll das noch führen? Erst war es ein gewöhnlicher Spion, doch von Film zu Film haben sich die Produzenten immer neue Tricks ausdenken müssen, und langsam wurde dieser James Bond zu einem Monstrum, ähnlich einem Frankenstein.“
Laut Vertrag hat Sean Connery aber noch einen Film als James Bond zu spielen, solange muss er sich mit noch deutlicheren Dienstquittierungs-Absichten zurückhalten. Als nächstes steht eigentlich die Romanverfilmung zu „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ auf dem Programm, doch die Bauarbeiten des Hauptquartiers vom Oberschurken Blofeld in den Schweizer Alpen zogen sich zu sehr in die Länge, so dass man kurzerhand „Man lebt nur zweimal“ (1967, „You only Live Twice“) in Japan abdreht. Der Film thematisiert den Kalten Krieg zwischen Ost und West und ist bespickt mit fantastischen Bauten (ein Vulkan als Hauptquartier), Gadgets, Humor und Action. Kritiker werfen „Man lebt nur zweimal“ aber bereits damals vor, was sie später auch gerne den Bond-Filmen mit Roger Moore ankreiden: zuviel Spektakel, zu wenig Glaubwürdigkeit! Am meisten bekommt jedoch Sean Connery selbst sein Fett ab, dem seine Unmotiviertheit und Langeweile mittlerweile deutlich anzusehen ist. Noch in Japan lässt Sean Connery durchsickern, dass „Man lebt nur zweimal“ sein letzter Film als James Bond ist.
Zunächst beschließen die Bond-Produzenten, ihrem Hauptdarsteller nicht hinterher zu rennen und es stattdessen mit einem neuen James Bond zu versuchen. Und so steht für „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969, „On Her Majesty’s Secret Service“) der australische Dressman George Lazenby vor der Kamera. Nachdem die Kritiker den Film an sich als gelungen empfinden, die Kinozuschauer aber George Lazenby die kalte Schulter zeigen, ist Broccoli und Saltzman klar, dass sie handeln müssen, um mit dem nächsten, siebten Bond-Film „Diamantenfieber“ (1971, „Diamonds Are Forever“) wieder in die Erfolgsspur zurück zu kehren. Also tut man dass, was man als ordentlicher Erfolgsproduzent tun muss, um seinen Hauptdarsteller zurück zu bekommen: man zwingt ihn… man zwingt ihn mit Unmengen von Geld. Zwischen 1,25 und 1,43 Millionen US-Dollar plus Gewinnbeteiligung und Schuldscheintilgung ist die Rede – 1971 einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde wert. Außerdem darf sich Sean Connery zwei weitere Filmprojekte frei aussuchen. Der Mime braucht dennoch eine Woche Bedenkzeit, obwohl Sean Connery seit seinem letzten Bond-Film „Man lebt nur zweimal“ nur Flops produzierte, darunter der bestens besetzte Western „Man nennt mich Shalako“ (1968, mit Honor Blackman und Brigitte Bardot). Letztendlich willigt der mittlerweile 41-jährige Schotte aber ein und gibt in „Diamantenfieber“ nach eigenem Bekunden ein allerletztes Mal den James Bond 007… Seine Fix-Gage spendet Sean Connery dem selbstgegründeten „Scottisch International Educational Trust“ (Ausbildungshilfe für schottische Jugendliche), was ihm in Schottland zu einem wahren Volkshelden macht. Da „Diamantenfieber“ auch die Kinokassen wieder klingeln lässt, fließt Dank der ausgehandelten Gewinnbeteiligung vermutlich noch genügend Kleingeld in Connerys eigene Tasche.
Das Leben des Sean Connery (fast) nach James Bond
Mit dem James-Bond-Film „Diamantenfieber“ findet auch Sean Connery zu gewohntem Erfolg zurück – kurzzeitig zumindest. Auf der Flucht, weg von James Bond sowie der Suche nach sich selbst, produziert Sean Connery ein Kassengift nach dem anderen. Filme wie „Der Anderson Clan“ (1971), „Sein Leben in meiner Gewalt“ (1972) oder „Zardoz“ (1974) bekommen zwar ordentliche Kritiken, aber kaum Beachtung beim Publikum. Auch mit den Abenteuerfilmen „Der Wind und der Löwe“ (1975), „Der Mann, der König sein wollte“ (1975) oder die eigenwillige Robin-Hood-Verfilmung „Robin und Marian“ (1976) scheitern trotz positiver Kritiken am Geschmack des Publikums. Immerhin privat läuft es seit seinem Abschied von James Bond wieder besser. Im Jahre 1975 heiratet Sean Connery auf Gibraltar die französische Malerin Micheline Roqueburne, wegen der er fünf Jahre zuvor seine erste Frau Diane Cilento verließ. Diese Ehe besteht bis heute.
Aus beruflicher Sicht taucht erstmals seit James Bond im Jahr 1977 ein Lichtblick auf, und zwar mit dem Kriegsdrama „Die Brücke von Arnheim“. Allerdings ist Sean Connery neben Gene Hackman, Hardy Krüger, Robert Redford, Maximilian Schell, Anthony Hopkins und vielen anderen lediglich ein Star von vielen. Den daraufhin abgedrehten Achtungserfolgen „Der große Eisenbahnraub“ und „Explosion in Cuba“ (beide 1979) folgen zum Beispiel mit „Meteor“ (1979), „Outland – Planet der Verdammten“, „Time Bandits“ (beide 1981) sowie „Flammen am Horizont“ und „Am Rande des Abgrunds“ (beide 1982) prompt einige Streifen, die neben dem Publikum noch nicht mal die Kritiker sonderlich mitreißen.

Sean Connery und Kim Basinger im inoffiziellen Bond-Film "Sag niemals nie"
Dann mit 53, wir schreiben mittlerweile das Jahr 1983, greift Sean Connery doch noch mal zum Toupet und der Bond-typischen Walther PPK und tritt als James Bond in „Sag niemals nie“ (der Titel ist eine Anspielung auf seinen Wortbruch, nie wieder James Bond zu spielen) gegen den kurz darauf erscheinenden James-Bond-Film „Octopussy“ mit Roger Moore an. „Sag niemals nie“ (u. a. mit Klaus Maria Brandauer, Kim Basinger und Rowan Atkinson) ist kein offizieller James-Bond-Film und wurde überhaupt erst möglich durch lizenzrechtliche Streitigkeiten bezüglich des Ian-Fleming-Romans „Feuerball“, welchen nun der Lizenzinhaber Kevin McClory mit „Sag niemals nie“ neu verfilmen wollte. Über die Motivation Sean Connerys, nun doch wieder in die ungeliebte Rolle des Doppelnull-Agenten zu schlüpfen, lässt sich fröhlich spekulieren. Jedenfalls scheint es kein Groll gegen den „offiziellen“ Bond-Darsteller Roger Moore zu sein, denn beide Haudegen sind miteinander bestens befreundet. Vielmehr soll Sean Connery den Bond-Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman nachträglich noch eins auswischen wollen, da er sich damals angeblich von beiden finanziell benachteiligt gefühlt habe. Dabei erteilt Albert R. Broccoli noch kurz vorher (1981) Sean Connery einen verbalen Ritterschlag: „Er war der Größte. Das Beste an ihm war diese großartige animalische Maskulinität. Er traf damit sowohl Männer als auch Frauen. Er konnte eiskalt mit einer gefährlichen Situation umgehen und dann seinen bösartigen Humor einbringen. Zudem hatte er diesen tollen schottischen Akzent. Die Art und Weise wie er „Pussy“ aussprach, war einfach unglaublich sexy. Er war ein viel besserer Schauspieler als jeder von ihm dachte, und er wollte das beweisen. Inzwischen ist es ihm gelungen.“
Ein Zitat, dem es kaum etwas hinzuzufügen gibt, auch wenn letzterer Satz zu dieser Zeit noch sehr nach Vorschußlorbeer klingt. Sean Connery halten die Schmeichlereien aber nicht von seinem neuen James-Bond-Projekt bei der Konkurrenz ab. Vielleicht hat er aber nach der schier nicht enden wollenden Reihe von Filmflops einfach die Sehnsucht, wieder mal in einem echten Blockbuster mitzuspielen – und wenn es nur als James Bond ist… Auch über den Produzenten Kevin McClory hält sich Sean Connerys Meinung übrigens auf einem ausbaufähigen Pegel, wie seine Bemerkung von 1984 subtil andeutet: „Der Produzent von „Sag niemals nie“ war total unkompetent. Ein echter Arsch! Ich hätte ihn umbringen sollen…“ Trotzdem erfüllt „Sag niemals nie“ die in den Film hochgesteckten Erwartungen vollends, wenngleich „Octopussy“ mit Roger Moore letztendlich noch mehr Zuschauer in die Kinos zieht als der Ur-Bond.
Das Comeback als der, der er immer sein wollte – als Sean Connery

Indian Jones (Harrison Ford) und sein Vater Henry Jones (Sean Connery) in "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug"
Wieder einmal bedeutet der Abschied von der Rolle James Bond einen Wendepunkt für Sean Connerys Filmschaffen, doch dieses Mal verlässt er die Welt von 007 auf einer wahren Erfolgswelle. Denn auch wenn „Sag niemals nie“ gegen „Octopussy“ nur zweiter Sieger wurde, so liegt die Betonung doch auf Sieger. Endlich konnte Sean Connery erfolgreich bei einem jüngeren Kino-Publikum auf sich aufmerksam machen und die laufen ab Mitte der 1980er wieder in Scharren ins Kino. Es beginnt zunächst mit dem Fantasy-Spektakel „Highlander – Es kann nur einen geben“ (1985) und geht weiter mit dem europäischen Kassenknüller „Der Name der Rose“ (1986, eine Art James Bond in Mönchs-Kutte) sowie dem Mafia-Thriller „Die Unbestechlichen“ (1987, mit Kevin Costner, Andy Garcia, Robert De Niro), für den Sean Connery alias Jim Melone sogar einen Oscar als bester Nebendarsteller gewinnt. Zwei Jahre später kürt dann das US-amerikanische „People-Magazine“ den mittlerweile 60-jährigen zum „Sexiest Man Alive“, obwohl (oder gerade weil) er zeitgleich in Steven Spielbergs Action-Abenteuer „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ den Vater von Harrison Ford alias Indiana Jones spielt. Einst sagte Sean Connery: „Als ich James Bond wurde, habe ich Sean Connery umgebracht. Und es ist mir nur langsam gelungen, ihn wieder zum Leben zu erwecken.“ Bis Ende der 1980er kann man Sean Connerys Mission der Wiederbelebung als äußerst erfolgreich bezeichnen, man lebt eben doch zweimal!
In den 1990ern wechseln sich in der Filmografie von Sean Connery Film-Tops und Film-Flops munter untereinander ab. Zwischen Blockbuster wie „Jagd auf Roter Oktober“ (1990, mit Alec Baldwin und Sam Neill), „Robin Hood – König der Diebe“ (1991, mit Kevin Costner, Morgan Freeman und Alan Rickman) oder „The Rock – Fels der Entscheidung“ (1996, mit Nicolas Cage und Ed Harris) mischen sich gerne kommerzielle Enttäuschungen wie „Highlander II – Die Rückkehr“ (1991), „Medicine Man – Die letzen Tage von Eden“ (1992), „Der 1. Ritter“ (1995, mit Richard Gere und Julia Ormond) oder das katastrophale Remake von „Mit Schirm, Charme und Melone“ von 1998 mit Ralph Fiennes und Uma Thurman.

Sean Connery als außergewöhnlicher Gentleman Allan Quatermain
Knapp zehn Jahre nach der Ehrung als „Sexiest Man Alive“ (1989) vom „People-Magazine“, wählt ihn die gleiche Zeitschrift 1999 sogar zum „Sexiest Man of the Century“ – mittlerweile zählt Sean Connery bereits 69 Lenze… Vermutlich muss Sean Connery zu diesem Zeitpunkt auch noch keine tiefgehenden Bisswunden am Allerwertesten verstecken, die er sich mit Sicherheit in Kürze zufügt. Denn die Produzenten der „Herr der Ringe-“ Trilogie bieten Sean Connery im neuen Jahrtausend für einen höchst unanständigen Betrag die Rolle als Gandalf an. Der Schotte versteht allerdings das Drehbuch nicht und lehnt dankend ab. Erst nach dem immensen Erfolg am Ende der Trilogie (2003) kann sich Sean Connery ausrechnen, dass ihm durch seine Ablehnung etwa 400 Millionen US-Dollar durch die Lappen gingen. Kurz darauf bekommt Sean Connery ein Filmangebot zur Hauptrolle in dem Superhelden-Film „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (2003). Auch hier versteht Sean Connery das Script nicht, doch nach der erst kürzlich entgangenen Chance nimmt er die Rolle trotzdem an. Doch der Film flopt bei den Kritikern und bleibt an den Kinokassen weit hinter den hohen Erwartungen zurück. Schließlich echauffiert sich Sean Connery über das neuerdings verrückte Filmgeschäft und erklärt 2005, dass er sich nun für immer aus dem Filmgeschäft zurückziehen wolle! Aber wir wissen ja längst, wie ernst man Sean Connerys Abschiedsbekundungen nehmen darf, oder wie Connery selbst gern zitiert: „Sag niemals nie!“
Am 25. August 2009 feiert Sean Connery seinen 79sten Geburtstag. Nimmt man die Quersumme aus 7 und 9 kommt 16 heraus und die Quersumme davon lautet 7! 7 für 007 oder auch sieben gedrehte James-Bond-Filme. Wenn das mal kein Grund zur Ehrung hier für Sean Connery auf Wortgeflecht ist. Und wer weiß, vielleicht bekommt diese Eintrag bis zum 25. August 2010, also zu Sean Connerys 80stem, ja noch eine Anekdote oder einen Filmerfolg dazu – frei nach dem Motto: „Sag niemals nie!“
© Andy Ilmberger, August 2009






