„Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit!“
Neil Armstrong beim Betreten des Mondes als erster Mensch am 21. Juli 1969 um 02:56 UTC (UTC = International koordinierte Weltzeit). Die Apollo-11-Mission startete am 16. Juli und endete am 24. Juli 1969.
In diesen Tagen jährt sich die erste Mondlandung zum 40sten Male. Am 21. Juli 1969 (bzw. 20. Juli nach amerikanischer Zeitrechnung) betraten mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin die ersten Menschen den Mond. Nach diesem sensationellen Erfolg waren die damaligen Zeitzeugen sicher der Meinung, die Quantensprünge gingen nun in diesem Tempo weiter, dass die Menschheit anno 2000 längst den Mond besiedelt und den Mars erobert hätte. Autos würden fliegen können und Menschen sich von Ort zu Ort beamen. Alle Erdlinge sind gleichberechtigte Bürger und leben in völliger Harmonie nebeneinander her. Hunger, Seuchen und Krankheiten wären nur noch ein dunkles Kapitel aus der jüngeren Vergangenheit. Und bricht sich doch mal einer die Knochen, flickt ihn der Doktor schmerzfrei mit einem Heilstrahler in wenigen Minuten wieder zusammen.
Was tat sich stattdessen wirklich seit der ersten Mondlandung? Nix, absolut Nullkommanix!!! Keine blühenden Landschaften auf dem Mond. Den Mars betrat bislang lediglich ein tollpatschiges Pfadfinder-Mobil. Die Menschheit quält sich immer noch vor Heuschnupfen triefend von einem Stau zum nächsten Berufsverkehr durch. Gut, wir haben jetzt alle ein Handy in der Tasche, das allein ein x-faches an Rechenleistung aufweist als damals der gesamten Apollo-11-Mission zur Verfügung stand. Und über die neuen HD-Flachbildschirme kommen sämtliche Weltraumaufnahmen schärfer rüber als durch das Helmvisier eines aktiven Astronauten direkt vor Ort. Aber sonst? Unterernährung vieler Orts, Religionskriege wie im dunklen Mittelalter, Krebsleiden wohin man sieht und von weltbürgerlicher Gleichberechtigung keine Spur. Sei’s drum! Nachdem der Blick nach vorne momentan ohnehin kaum Erfolg versprechend aussieht, werfen wir mal ein Auge auf die Vergangenheit – hier also ein kleiner geschichtlicher Abriss über die Mission der Apollo 11 und ihren Weg zum Mond.
Entstehung des Apollo-Projekts der NASA
Wir befinden uns Anfang der 1960er: Kalter Krieg herrscht zwischen Ost und West – angeführt von den beiden Weltmächten UdSSR und den USA. Beide hassen sich so sehr, dass jeder den anderen am liebsten auf den Mond schießen würde… ach nein, da wollte jeder ja erst mal selber hin… Aber zumindest möchte man sich bekriegen und Überlegenheit demonstrieren. Nachdem immerhin das menschliche Hirn schon so weit denkt, dass keiner einen Atomkrieg wirklich gewinnen kann, suchen sich die Großmächte ein anderes Schlachtfeld: den Weltraum. Die Sowjets heimsen dabei sehr früh Erfolg für Erfolg ein, liefern die ersten Bilder von der Schattenseite des Mondes und schießen mit ihrem Kosmonauten Juri Gagarin am 12. April 1961 den ersten Menschen ins All. Die gelungene Weltraummission der Sowjets über den ersten bemannten Raumflug schockt die USA bis ins Knochenmark und so gibt der US-Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 trotzig ein Versprechen ab: „Ich glaube, dass dieses Land sich dem Ziel widmen sollte, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurück zu bringen. Kein einziges Weltraumprojekt wird in dieser Zeitspanne die Menschheit mehr beeindrucken, oder wichtiger für die Erforschung des entfernteren Weltraums sein; und keines wird so schwierig oder kostspielig zu erreichen sein.“ Dies ist die Geburtsstunde des Apollo-Programms der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA.

Wappen der Apollo-11-Mission mit dem Eagle
Bis die Öffentlichkeit wieder etwas von dem Apollo-Programm erfährt, befinden wir uns bereits im Jahre 1966, als die NASA die Crew für ihren ersten bemannten Raumausflug bekannt gibt. Ursprünglich war das Apolloprogramm für sieben Missionen ausgelegt, wobei innerhalb der siebten Missionen der erste Mann den Mond betreten sollte. Doch bereits die erste Mission endet in einem Desaster und kommt nie zur Durchführung, da die Kapsel während eines Start-Probedurchgangs am 27. Januar 1967 Feuer fängt und mit der gesamten Besatzung verbrennt. Dieses Unglück holt die US-amerikanische Raumfahrt erst mal wieder auf den Erdboden der Tatsachen zurück. Bald wird klar, dass die ehrgeizige Eroberung des Mondes deutlich mehr Zeit, Geld, Missionen und womöglich sogar Menschenleben in Anspruch nehmen könnte, als erhofft. Letztendlich dauert es bis zur elften Mission, beschäftigt rund 400.000 Menschen und kostet etwa 25 bis 30 Milliarden US-Dollar (1 Dollar waren damals 4 D-Mark!), bis die erfolgreiche Besteigung des Mondes in Aussicht steht.
Die Crew der Apollo-11-Mission

Die Crew der Apollo 11 (v.l.n.r.): Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin "Buzz" Aldrin
Drei Astronauten besetzen die Rakete zum Mond, davon soll zwei Mann die Ehre zukommen, als erste Menschen den Mond zu betreten. Die Arschkarte des im Weltall Zurückgebliebenen zieht der Pilot des Kommandomoduls Michael Collins (* 31. Oktober 1930 in Rom), seines Zeichens Oberleutnant und ehemaliger Kampfflieger bei der US Air Force. Er sieht den Mond weiterhin nur von der Ferne. Deutlich besser erwischt es der Pilot der Mondlandefähre Edwin „Buzz“ Aldrin (* 20. Januar 1930 in New Jersey), einst Oberst bei der US Air Force und nun der zweite Mann auf dem Mond. Der erste Mondgänger ist der Kommandant der Apollo-11-Mission Neil Armstrong (* 5. August 1930 in Ohio). Früher flog er Kampfjets bei der US Navy und testete Hochgeschwindigkeits-Flugzeuge für die NASA. Seit 1962 gehört er schließlich der auserwählten Elitetruppe der Astronauten an. Am 10. Januar stellt die NASA das Mondlande-Trio der Presse vor.
Der monatelange Countdown der Apollo 11

Die Trägerrakete "Saturn V" beim Start der Apollo-11-Mission
Mit der Ernennung der richtigen Crew verfügt die NASA erst über ein Puzzleteil der ganzen Apollo-11-Mission. Hinzu kommt die Wahl des richtigen Landeplatzes auf dem Mond (um nicht in einem Kraterloch zu enden), die Berechnung der Treibstoffmenge (er soll ausreichen, aber nicht zu schwer sein) sowie dem Austesten der Flug-Hardware. Da wären zum Beispiel die 110 Meter lange und knapp 3 Tonnen schwere Trägerrakete ″Saturn V″, das eigentliche Apollo-Raumschiff für die Crew sowie die Mondlandefähre ″Lunar Module″. Allein um die Trägerrakete ″Saturn V″ zur Abschussrampe zu chauffieren, braucht es ein extra angefertigtes Raupenfahrzeug, das die Rakete auf einer Strecke von 5,5 Kilometer in sechs Stunden anliefert. Immer wieder proben die Verantwortlichen den Countdown durch. Unterdessen sucht die Besatzung möglichst bedeutend wirkende Namen für ihre Fluggeräte. In der Vergangenheit mussten oft Snoopy, Charlie Brown und Co als Namensgeber herhalten. Doch jetzt auf dieser bedeutendsten aller Missionen sollen es schon coole Namen sein, die auch in den Geschichtsbüchern noch Eindruck schinden. Und so tauft die Crew ihre Kommandozentrale auf den Namen ″Columbia″, abgeleitet aus Jules Vernes Roman ″Von der Erde zum Mond″, in der er eine Mondkanone namens ″Columbiade″ beschreibt. Die Mondlandefähre erhält in Anlehnung auf das Missionswappen den Namen ″Eagle″ (Adler).
Ticket to the Moon – die Reise der Apollo 11 beginnt
Am 16. Juli ist es endlich soweit: Der Countdown zählt 10, 9, 8 … 3, 2, 1, 0 – und um Punkt 13:32 UTC erhebt sich die Trägerrakete ″Saturn V″ samt seiner Fracht in die Luft. Nach zwölf Minuten erreicht das Raumschiff die Erdumlaufbahn, erst in drei Tagen werden sie in der Mondumlaufbahn ankommen. Im Mondorbit angelangt beginnt nun für die Crew der spannende Teil: der Umstieg von Edwin „Buzz“ Aldrin und Neil Armstrong in die Mondlandefähre Eagle, das Abtrennen vom Mutterschiff sowie das Anvisieren des Landeplatzes auf dem Mond, namentlich „Mare Tranquillitatis“ (zu Deutsch: Meer der Ruhe). Bereits vom Start weg kommt es zu minimalen Verzögerungen, welche die Mondlandefähre rund 4,5 Kilometer vom Kurs abweichen lässt. Des Weiteren beglückt der Board-Computer Armstrong und Aldrin mit nichts sagenden Fehlermeldungen, wie sie heute auch jeden Windows-Nutzer verzweifeln lassen – und all das zwischen Mutterschiff und Mond im Nichts… Schließlich steuert der Autopilot auf einen mit Felsen übersäten Krater zu, also genau dahin, wo man um keinen Preis hin wollte. Neil Armstrong versucht daher mit der Handsteuerung zu retten, was zu retten ist und landet die Eagle schließlich 60 Meter westlich des Kraters sicher am Mondboden. Nach der Mondlandung sollten der Eagle-Crew eigentlich 60 Sekunden bleiben, um beim Bemerken von eventuellen Schwierigkeiten sofort wieder den Rückzug zum Mutterschiff einschlagen zu können – danach hätten sie es schlicht verfehlt. Doch durch die manuelle Landesteuerung der Eagle vergingen davon bereits 40 Sekunden, 15 weitere brauchten sie zum schnellen Check ihrer Instrumente und auch vom Sprit verbrauchten sie durch das Landemanöver mehr als die Hälfte. Nun bleiben Armstrong und Aldrin keine fünf Sekunden um darum zu knobeln, ob sie den Rückzug antreten oder es mit dem Mond aufnehmen… wir wissen, wie sich die beiden entscheiden.

Neil Armstrong von Apollo 11 bei seiner Mondlandefähre "Eagle" salutiert vor der US-Flagge
Am 20. Juli 1969 um 20:17 und genau 58 Sekunden meldet der Apollo-11-Kommandeur Neils Armstrong nach Houston: „Houston, hier ist der Stützpunkt ″Meer der Ruhe″. Der Adler ist gelandet!“ Jetzt befinden sich die Jungs also auf dem Mond, jetzt geht’s „nur“ noch ums Aussteigen. Es vergehen fast weitere sieben Stunden, bis Neil Armstrong vor rund 500 Millionen Fernseh-Zeugen am 21. Juli 1969 um 2:56 aus der Mondlandefähre steigt und voller Stolz verkündet: „That’s one small step for a man, one giant leap for mankind!“ („Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit!“)
Buzz Aldrin betritt den Mond erst 20 Minuten später. Die beiden hissen die US-amerikanische Flagge mit den Stars & Stripes, stellen einige Messgeräte auf und stibitzen dem Mond knapp 22 Kilo Mondgestein. Nach zwei Stunden und 31 Minuten beenden die beiden Helden den ersten Mondspaziergang in der Geschichte der Menschheit. Ab jetzt geht es nur noch darum, lebend nach Hause zu kommen.

Aller Ausstieg ist schwer - Neil Armstrong verlässt die Mondlandefähre Eagle
In der Mondlandefähre angekommen stellt Buzz Aldrin fest, dass ein für den Start benötigter Schalthebel scheinbar beim Ausstieg abbrach. Und dann war da ja noch die spannende Frage, ob der Sprit auch für den Rückflug auslangen würde. Tatsächlich reichte der Treibstoff bis zum Mutterschiff aus und den defekten Hebel ersetzte kurzerhand ein Schreibstift. Alle drei Astronauten sind wieder auf der Columbia vereint und treten schließlich den Heimweg von der Mondumlaufbahn Richtung Erde an, wo sie am 24. Juli 1969 um 16:50 UTC im Pazifik wassern und kurz darauf vom Flugzeugträger USS Hornet geborgen werden. Anstatt danach ihre Liebsten zu besuchen und richtig einen drauf zu machen, müssen die drei Space-Cowboys erst mal für 17 Tage in Quarantäne – nur für den Fall, dass sie vom Mond unerwünschte Viren oder ähnliches Ungemach mitgebracht hätten.
Hinterm Mond ist vor dem Mond – die Zeit nach Apollo 11

Spieglein, Spieglein im Visier - Verschwörer meinten im Visierglas einen dritten Mann zu sehen...
Mit den Missionen Apollo 12, 14, 15, 16 und 17 finden bis August 1971 noch sechs weitere Mondlandungen statt. Apollo 13 ( „Houston, wir haben ein Problem!“ ) musste wegen eines Lecks im Sauerstofftank unverrichteter Dinge vor der Mondlandung den Rückzug antreten. Währenddessen beschäftigen sich NASA-Zweifler und Ungläubige damit, zahlreiche Verschwörungstheorien in Bezug auf die erste Mondlandung der Apollo 11 in die Welt zu setzen. Behauptungen, dass die Mondlandung nur in Hollywood abgefilmt worden sei, um Russland gegenüber endlich einen Sieg in der Raumfahrt anführen zu können und um die horrenden Milliardenausgaben für das Apollo-Programm gegenüber dem Steuerzahler rechtzufertigen, waren populäre Zweifler-Thesen. Auch vermeintliche Beweise gegen die Mondlandung tauchten schnell auf. Zu straff wehende Flaggen, unerklärbare Spiegelungen im Helmvisier, mysteriöse Bild- und Schatten-Effekte auf Film- und Foto-Aufnahmen reichte den Verschwörern als handfester Beweis für eine fingierte Mondlandung aus den Hollywood-Studios locker aus. Dass sich all diese Vorwürfe wissenschaftlich entkräften ließen, juckte die meisten kaum, da sie – wie etwa der Autor Bill Kaysing – mit ihren Theorien schnell zu Geld kommen wollten. Ein echter und wissenschaftlich belegbarer Zweifel an der ersten Mondlandung bestand jedoch nie.

James Bond (Sean Connery) platzt in "Diamantenfieber" (1971) in mysteriöse Dreharbeiten
Trotzdem machten sich gerade Filmleute immer wieder gern einen Spaß daraus, mit der Stammtischtheorie einiger Unverbesserlicher zu kokettieren. Zum Beispiel ließ der Regisseur Guy Hamilton in dem James-Bond-Film ″Diamantenfieber″ seinen Hauptdarsteller Sean Connery über ein Filmstudio auf einem Forschungsgelände laufen, wo gerade Astronauten einen Moon-Buggy austesteten. Apropos Mond, apropos James Bond, apropos Zitate à la „Ein kleiner Schritt für…“: In dem James-Bond-Film ″Moonraker – streng geheim″ durfte sich Roger Moore alias James Bond ebenfalls dieses berühmten Zitates bedienen, wenn auch in leicht abgewandelter Form. Als er nämlich den Oberschurken Hugo Drax aus seiner Raumstation stieß, verabschiedete Bond ihn mit den Worten: „Ein kleiner Schritt für Sie, aber ein großer für die Menschheit!“ An sich ein perfektes Schlusszitat. Bleibt mit nur noch eines zu sagen, oder vielmehr zu wünschen: Lasst den Mond doch unbewohnt und den Mars in Ruhe vor sich hinglühen. Den nächsten großen Schritt für die Menschheit wünsche ich mir in Richtung Weltfrieden, Krankheitsbekämpfung, Hungerbeseitigung, weltweite Gleichberechtigung, Religionsfreiheit oder zumindest den Respekt vor Andersglaubenden – auf geht’s, gemma!!!
© Andy Ilmberger, Juli 2009








Wow, cooler Bericht und super tolles Aufmacher-Bild. Ich weiß ja nicht, was man von diesen ganzen Verschwörungstheorien halten soll. Aber selbst wenn die Mondlandung gefaked wäre, so hat die USA damit doch einen richtig großen Coup gelandet, der uns nachhaltig beeinflusst. Auf jeden Fall macht es Spaß, so was auf Wortgeflecht zu lesen! LG