
Der dunkelhaarige James Bond Darsteller Timothy Dalton und sein Produzent Albert R. Broccoli
„Bond muss britisch sein, muss dunkle Haare haben, groß und muskulös sein. Es gibt keinen Grund, warum er nicht blond sein könnte, aber dunkel passt einfach besser zu ihm…“
Albert R. Broccoli über die Auswahlkriterien seiner James-Bond-Darsteller.
Tja, nach dieser Aussage scheint es doch eher fraglich, ob der aktuelle James-Bond-Darsteller Daniel Craig mit seinen blonden Haaren eine Chance auf die Rolle gehabt hätte, wenn Albert R. Broccoli noch das Bond-Zepter schwingen würde. Daniel Craig dürfte es egal gewesen sein und Broccolis Tochter Barbara sowie sein Stiefsohn Michael G. Wilson wohl ebenso, die sitzen mittlerweile anstelle ihres Vaters an der Bond-Regierungsspitze. Albert R. Broccoli verstarb am 27. Juni 1996 an den Folgen eines Herzleidens. Im April 2009 wäre Albert R. Broccoli genau 100 Jahre alt geworden.
Doch egal, wer wie wann und warum bei James Bond hinter den Kulissen das Sagen hat, der eigentliche Macher von James Bonds bleibt für immer Cubby Broccoli (Cubby war sein Spitzname). Ian Flemming erfand den Doppelagenten mit der Lizenz zum Töten zwar, doch erst Albert R. Broccoli machte aus 007 eine große Nummer und brachte sie weltweit über einer Milliarde Menschen nahe… aber von Anfang an.
Selbst Albert Romolo Broccoli fing einmal ganz klein an, nämlich am 5. April 1909 als frisch geborener Schreihals italienischer Einwanderer in Long Island, New York. Sein Onkel Pasquale de Cicco handelte in New York bereits seit geraumer Zeit mit Gemüse und führte als einer der ersten Händler Brokkoli-Gemüse in die USA ein. Deshalb verpassten einst die Amis der Sage nach dieser italienischen Einwanderer-Familie den Nachnamen Broccoli. Getreu der Familientradition arbeitet Albert R. Broccoli als 16-Jähriger auf der familiären Gemüsefarm und fährt von Long Island mit dem Laster das Grünzeug nach Harlem auf den Markt. Diese bevorstehende vegetarische Zukunft lockt Cubby allerdings zu wenig und so zieht er zu seiner Großmutter, jobbt unter Tags in einer Drogerie, später in einem Beerdigungsinstitut und studiert nebenbei an einer Abendschule Journalismus. Scheinbar übt die gruslige Stimmung dieses Begräbnis-Unternehmens seine besonderen Reize auf Cubby aus, zumindest ließ er in den James-Bond-Filmen immer wieder mal entsprechende Sarg-Szenen einbauen, etwa in „Diamantenfieber“ oder in „Leben und sterben lassen“… aber soweit sind wir noch nicht.

Albert Romolo "Cubby" Broccoli
Eines Tages reist Cubby zu seinem Cousin Pat de Cicco nach Hollywood, um dort zwei Wochen Ferien zu machen. Und obwohl Hollywood nun überhaupt kein Totengräber-Flair versprüht, gefällt es ihm so gut, dass er kurz entschlossen dort bleibt. Zunächst schlägt sich Cubby als Postbote bei der Filmfirma 20th Century Fox durch, arbeitet sich aber bald bis zum Regie-Assistenten hoch. Der Zweite Weltkrieg bremst Broccolis Karriere-Ambitionen fürs erste. Die Front bleibt ihm immerhin erspart und so veranstaltet Cubby als Leutnant der Navy diverse Unterhaltungsshows für die auf der ganzen Welt verstreuten US-Truppen. Für seine Shows kann er immerhin damalige Weltstars wie Danny Kaye oder Bing Crosby begeistern. Nach dem Krieg geht Cubby nach Hollywood zurück als Agent für diverse Showgrößen der 1940er, darunter Ava Gardner, Lana Turner und Charles K. Feldman. Letzterer wäre nicht weiter bedeutend, hätte er nicht bereits damals schon von Ian Flemming die Rechte des James-Bond-Romans „Casino Royale“ gekauft und 1966 als Persiflage verfilmt…

Albert R. Broccolis Tochter Barbara Broccoli produziert nun mit ihrem Bruder Michael G. Wilson die James-Bond-Filme
1950 stellt sich Albert R. Broccoli auf eigene Füße, verlässt Hollywood und gründet in England zusammen mit einem gewissen Irving Allen seine eigene Film-Produktion namens Warwick Films. Dort kommt es 1953 beim Dreh zu „The Red Beret“ auch zur ersten Zusammenarbeit zwischen Albert R. Broccoli, dem Regisseur Terence Young und dem Drehbuchautor Richard Maibaum. Später verpflichtete Broccoli für Warwick Films auch noch den Kameramann Ted Moore, den Set-Designer Ken Adam und dem Stuntman Bob Simmons, die allesamt später noch in vielen James Bond-Filmen mitwirken sollten. Albert R. Broccoli und Irving Allen produzieren gemeinsam 28 Filme, darunter einige Achtungserfolge. Doch die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Produzenten wachsen und die Partnerschaft scheitert wohl nicht zuletzt an James Bond. Ja genau, James Bond. Auf der Suche nach neuem Filmstoff treffen sich Irving Allen und Albert R. Broccoli in den späten 1950ern mit Ian Flemming. Doch während Irving Allen den Agenten-Stoff von Flemming als noch nicht mal TV-reif abstempelt, will Albert R. Broccoli die Figur James Bond unbedingt auf die Leinwand bannen. Es fehlt allein am Geld für die Rechte. Cubby, mittlerweile 50 Jahre alt, trennt sich von seinem Partner und heiratet erst mal. Der Name seiner Braut ist Dana Wilson, bis dato allein erziehende Mutter ihres Sohnes Michael G. Wilson. Später gehen aus dieser Ehe noch drei weitere Kinder hervor, darunter die Tochter Barbara Broccoli. Wie Eingangs erwähnt, leiten die beiden Kinder Michael G. Wilson und Barbara Broccoli mittlerweile das Bond-Imperium.
Noch aber sind wir im Jahre 1961 und Albert R. Broccoli hat immer noch die Vision, James Bond auf die Leinwand zu bringen, aber keinerlei Filmrechte. Diese besitzt mittlerweile ein Kanadier namens Harry Saltzman, der trotz der Lizenz zu Filmen bislang noch keine großen Pläne hegt. Man arrangiert ein Treffen zwischen Albert R. Broccoli und Harry Saltzman: Die Chemie zwischen beiden stimmt und so gründen sie gemeinsam die Film-Firma Eon-Productions (Eon für Everything or nothing = Alles oder nichts). Ihre Idee dabei ist, um sich als Partner nicht ständig in die Quere zu kommen, dass jeder abwechselnd einen James-Bond-Film federführend produziert. Diese Idee klappt vom ersten James-Bond-Streifen („James Bond jagt Dr. No“, 1962 mit Sean Connery) bis zum neunten Bond-Abenteuer („Der Mann mit dem goldenen Colt“, 1973 mit Roger Moore). Im Laufe der Zusammenarbeit zeigt sich trotz dieser an sich guten Vorsätze, dass niemand gegen Neid und Eifersüchteleien gefeit ist. Dies trifft vor allem auf Harry Saltzman zu und so steigt er nach 11 Jahren aus der Partnerschaft aus.

Regisseur Guy Hamilton, James-Bond-Darsteller Roger Moore sowie die Bond-Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman Anfang der 1970er

"007 Stage" wurde ehrenhalber umbenannt in "Albert R. Broccoli 007 Stage"
Für Albert R. Broccoli gibt es jedoch keinerlei Grund, nicht allein weiter zu machen. Im Gegenteil! Nach den etwas nachlassenden Einspielergebnissen des letzten gemeinsamen Bond-Filmes nutzt Cubby die Alleinherrschaft, um mit Bond Numero 10, „Der Spion der mich liebte“ (1977 mit Roger Moore) neuen Schwung in die Serie zu bringen. Für den Jubiläums-Bond lässt Broccoli unter anderem die „007 Stage“ auf dem Pinewood-Gelände errichten, die bis dato größte Filmhalle der Welt. Cubby äußert sich hierzu wie folgt: „Ich glaube man kann sagen, dass ich von James Bond besessen bin, aber er hat eine Menge Fans in der ganzen Welt, die genauso besessen sind wie ich. Warum also nicht immer weitermachen?“ Auf die Frage, wie viele James-Bond-Filme er denn noch zu produzieren plane, antwortete Broccoli: „Solange ein Bond-Film auch nur einen Dollar mehr einspielt, als er gekostet hat, wird es einen weiteren geben.“
Gleichzeitig beginnt Albert R. Broccoli, sich mit seinem Stiefsohn Michael G. Wilson einen verwandten Co-Produzenten und irgendwann würdigen Nachfolger für sich heranzuziehen. Bei „Octopussy“ und „Im Angesicht des Todes“ stößt außerdem noch Cubbys Tochter Barbara Broccoli zunächst als Regie-Assistentin in den „Familienbetrieb“ mit ein, ehe sie dann ab „GoldenEye“ (1995 mit Pierce Brosnan) neben Michael G. Wilson zur Mitproduzentin aufsteigt.

Albert R. Broccoli wäre am 5. April 2009 100 Jahre alt geworden, sein Todestag jährt sich am 27. Juni zum 13. Mal
Albert Romolo „Cubby“ Broccoli verstirbt am 27. Juni 1996 in Beverly Hills. Dieses Jahr ist demnach sein 13. Todestag. Vor allem aber wäre Albert R. Broccoli am 5. April 2009 genau 100 Jahre alt geworden. Zu Lebzeiten galt Cubby als Familienmensch, wenn auch gewissermaßen als Patriarch. Er ließ keine Zweifel aufkommen, wer der Chef im Haus ist, gab aber gleichzeitig jedem Mitarbeiter das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Zudem schätzte man Broccolis hohes soziales Engagement. Zahlreiche Spenden sowie praktisch alle Einnahmen der Premieren aus den James-Bond-Filmen flossen in diverse soziale Einrichtungen, von denen er dann oftmals entsprechend geehrt wurde. Auch filmisch kam Albert R. Broccoli zu zahlreichen Ehrungen, darunter einen Stern im „Hollywood Walk of Fame“ und den Orden des Britischen Empires. Zusätzlich benannte man die nach einem Großbrand wieder errichtete Filmhalle „007 Stage“ um in „Albert R. Broccoli 007 Stage“.
© Andy Ilmberger, April/Mai 2009
Als Filmproduzent steht Albert R. Brocoli für folgende James-Bond-Filme:
- James Bond jagt Dr. No (Dr. No, 1962 – mit Sean Connery)
- Liebesgrüße aus Moskau (From Russia With Love, 1963 – mit Sean Connery)
- Goldfinger (Goldfinger, 1964 – mit Sean Connery)
- Feuerball (Thunderball, 1965 – mit Sean Connery)
- Man lebt nur zweimal (You Only Live Twice, 1967 – mit Sean Connery)
- Im Geheimdienst Ihrer Majestät (On Her Majesty’s Secret Service, 1969 – mit George Lazenby)
- Diamantenfieber (Diamonds Are Forever, 1971 – mit Sean Connery)
- Leben und sterben lassen (Live And Let Die, 1973 – mit Roger Moore)
- Der Mann mit dem goldenen Colt (The Man With The Golden Gun, 1974 – mit Roger Moore)
- Der Spion, der mich liebte (The Spy Who Loved Me, 1977 – mit Roger Moore)
- Moonraker – Streng geheim (Moonraker, 1979 – mit Roger Moore)
- In tödlicher Mission (For Your Eyes Only, 1981 – mit Roger Moore)
- Octopussy (Octopussy, 1983 – mit Roger Moore)
- Im Angesicht des Todes (A View To Kill, 1985 – mit Roger Moore)
- Der Hauch des Todes (The Living Daylights, 1987 – mit Timothy Dalton)
- Lizenz zum Töten (Licence To Kill, 1987 – mit Timothy Dalton)
Während seiner Bond-Ära drehte Albert R. Broccoli nur einen einzigen Nicht-Bond-Film. Es war der Kinderfilm „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ (Chitty Chitty Bang Bang, 1968 – mit Dick Van Dyke), die Umsetzung einer Kindergeschichte, die der James-Bond-Autor Ian Fleming für seinen Sohn Casper schrieb.






