
Ian Fleming - geistiger Vater von James Bond 007
„Wen die Götter vernichten wollen, den liefern sie zuerst der Langeweile aus!“
Ian Flemings James Bond aus dem Roman „Liebesgrüße aus Moskau“ (1957)
Abgesehen von der Trefflichkeit dieses Zitates muss man wissen, dass der englische Schriftsteller Ian Fleming seine fiktive Romanfigur James Bond vor allem deshalb erfand, weil er enorm Angst hatte, sich in seinem Ehe-Leben zu langweilen. Durch seinen Doppelnull-Agenten konnte er all die Dinge weiter erleben wie zuvor in seinem wilden Junggesellenleben – angereichert durch viele ungelebte Fantasien, die weder normalen Menschen noch Ian Fleming selbt widerfuhren. Doch ich will Ian Flemings Geschichte von Anfang an erzählen.
Ian Lancaster Fleming erblickt am 28. Mai 1908 als einer von vier Brüdern in London die „lebenden Tageslichter“ (frei nach „The Living Daylights“). Seine Eltern sind der hoch angesehene Offizier und Unterhausabgeordnete Major Valentine Fleming und dessen Frau Evelyn Beatrice, die zu ihrer Zeit als eine der schönsten Frauen Englands gilt. Im ersten Weltkrieg um 1917 fällt der Vater in Flandern (Nordbelgien), woraufhin Winston Churchill persönlich einen Nachruf für den Major verfasst. Daraufhin schickt die allein erziehende Mutter Ian Fleming auf das elitäre und strenge Internat in Eton und später an die Königliche Militärakademie in Sandhurst. Dort erlernt Ian Fleming die Sprachen Deutsch, Russisch und Französisch, erringt sportliche Höchstleistungen und entwickelt seine Leidenschaft zum weiblichen Geschlecht. Nach einer Affäre mit einem Dienstmädchen fliegt Ian Fleming zunächst aus dem Internat in Eton und später wegen eines ähnlichen Vorfalles von der Militär-Akademie – diese Ereignisse fließen später auch mal in den fiktiven Lebenslauf von James Bond mit ein…
Ians Mutter hält es nach den Entgleisungen Ians für eine gute Idee, den Jungen ins Ausland zu schicken. Ian Fleming flüchtet aus seinem konservativen Umfeld für kurze Zeit nach Kitzbühl (Österreich) und später nach Genf und München, wo er Sprachen und Psychologie studiert sowie erste Kurzgeschichten verfasst. Eigentlich will Ian Fleming aber eine diplomatische Laufbahn einschlagen. Doch bei einer Aufnahmeprüfung anno 1931 für den diplomatischen Dienst im Auswärtigen Amt erreicht Fleming nur den 25sten Platz von 62 Bewerbern – zu wenig für Diplomatie, deshalb entscheidet er sich für eine Karriere als Journalist. Ian Fleming geht für vier Jahre zur Nachrichtenagentur Reuters und agiert unter anderem als Auslands-Korrespondent in Moskau, wo er mitunter erste Berührungspunkte zu Spionagefällen hat. Nebenbei handelt Ian Flemming noch erfolgreich mit Wertpapieren, was ihm mehr Geld einbringt als sein eigentlicher Job als Journalist.

Ohne Glimmstängel ließ sich der Schriftsteller Ian Fleming nur selten abgelichten...
Angesichts des aufflammenden Zweiten Weltkrieges tritt Ian Flemming am 26. Juli 1939 als Leutnant bei der britischen Kriegsmarine als persönlicher Assistent des Marinegeheimdienstchefs Konteradmiral John H. Godfrey der NID (Naval Intelligence Division) bei. Mit dessen Hilfe baut Ian Fleming einen Nachrichtendienst auf und erlangt dort bald den Rang eines Commanders – derselbe Rang übrigens, der auch die Ausgehuniform seines fiktiven Helden James Bond dekorieren wird. Um 1940 nimmt der Majors-Sohn an einer Operation teil, in der es darum geht, die Straße von Gibraltar (die Meerenge zwischen Südspanien und Nordafrika) vor deutschen Radars und Infrarotkameras zu schützen – der Name der Mission: Goldeneye! (Wenn das mal nicht verdächtig nach einem James-Bond-Film aus dem Jahre 1995 erinnert
)
Ende 1943 bildet Ian Fleming eine eigene Spezial-Einheit für gefährliche Sonderkommandos unter den Namen „Fleming’s Red Indians“ aus und führte sie bei deren Missionen auch selbst an. Im Laufe der Kriegsjahre taucht Ian Flemming immer tiefer in die Facetten des Geheimdienstes ein, bis er irgendwann beginnt, selbst Ideen dafür zu entwickeln. Eine davon schickt er sogar an den CIA-Vorläufer OSS, die sich daraufhin mit einer Dienstwaffe samt Widmung bei Fleming bedanken. Die letzten Kriegsjahre verschlägt es Ian häufig nach Jamaika, wo ihm die Landschaft so gut gefällt, dass er 1946 für 2.000 Pfund ein Anwesen am Strand erwirbt – er nennt es Goldeneye! Ob Ian Fleming der Name seiner Kriegsmission so gut gefiel, scheint umstritten. Wahrscheinlicher beruft sich der stolze Grundstücksbesitzer auf den Titel eines seiner Lieblings-Romane: „Reflections In A Golden Eye“. Wie dem auch sei: Künftig will Ian Fleming die Sommer in London und die kalten Wintermonate kreativ in Jamaika auf Goldeneye verbringen – und ab dem Jahre 1953 wird er nach jeder Rückreise aus Jamaika einen neu geschriebenen James-Bond-Roman im Gepäck haben.

Portrait Ian Flemings inmitten seiner ersten James-Bond-Werke
Zurück zum Ende des zweiten Weltkrieges: Ab 1945 bis 1959 leitet Ian Fleming das Auslands-Ressort des Zeitungsverlegers Kemsley, also solange, bis er von seinen Büchern gut leben kann. Der Sunday Times bleibt er bis zu seinem Tod erhalten, wo er unter dem Titel „Thrilling Cities“ an einer Städte-Serie arbeitete. Nach einigen Kurzzeit-Affären schwängert Ian Flemming die noch verheiratete Anne Geraldine Rothermere, wodurch er sich genötigt sieht, sie nach ihrer Scheidung zu ehelichen. Dies geschieht am 24. März 1952 auf Jamaika, am 12. August desselben Jahres kommt ihr gemeinsamer Sohn Casper zur Welt. Dies ist nun auch die Zeit, in der Ian Fleming seinem Junggesellen-Dasein etwas wehmütig hinterher blickt: „Ich hatte mich dazu entschlossen, zu heiraten. Aber die Idee, mein Junggesellenleben aufzugeben, machte mich nervös. Um mich abzulenken, begann ich zu schreiben. So entstand James Bond“. Er erfindet also eine Romanfigur, in die er wesentliche Charakterzüge seines „Ichs“ sowie einige prägnante Eigenschaften diverser Kriegsgefährten einhaucht und strickt um diese ein Umfeld aus all seinen Geheimdienst-Erfahrungen und Spionage-Fantasien – der 007-Agent James Bond ward geboren. Als erster James-Bond-Roman erscheint der Agenten-Thriller „Casino Royale“, welcher verfilmt zunächst 1954 kaum beachtet als TV-Fassung im Fernsehen läuft, 1966 als neue fragwürdige Parodie (mit David Niven, Peter Sellers und Ursula Andress) ins Kino geht und erst 2006 mit Daniel Craig als James Bond im 21. offiziellen Bond-Streifen zu echten filmischen Ehren kommt.

Ian Flemings Erstlingswerk "Casino Royale" von 1953
Nach „Casino Royale“ schreibt Ian Flemming „Live And Let Die“ (Leben und sterben lassen, 1954), „Moonraker“ (Mondblitz, 1955) und inspiriert von einer eigenen Reportage über Diamanten-Schmuggel den Roman „Diamonds Are Forever“ (Diamantenfieber, 1956). Anno 1957 stellte Ian Fleming das Buch „From Russia With Love“ (Liebesgrüße aus Moskau) fertig, das der spätere US-Präsident John F. Kennedy einmal als eines seiner Lieblingsbücher bezeichnen wird. Bis dato jedoch bleiben Ian Flemings Bond-Romane eigentlich relativ unbeachtet und erst nach den Titeln „Doctor No“ (007 James Bond jagt Doctor No, 1958) und „Goldfinger“ (007 James Bond contra Goldfinger, 1959) spielen die James-Bond-Bücher zum Leben ausreichend Tantiemen in Flemings Kassen.
Echter Reichtum stellt sich erst ein, als sich zwei Herren namens Harry Saltzman und Albert R. Broccoli unabhängig voneinander anfangen, für die Filmlizenzen zu interessieren. Harry Saltzman schließlich erwirbt die Filmrechte 1961, hat dann aber weder das Geld noch die nötige Motivation, James Bond auf die Kinoleinwand zu bannen. Im Gegensatz zu Albert R. Broccoli, der bereits seit Jahren versucht, an die Filmrechte zu kommen. Broccoli sucht Saltzman auf und die beiden tun sich als Filmproduzenten für zunächst sechs Bond-Filme mit der Option auf weitere Folgen zusammen. Ian Fleming selbst erhält 100.000 britische Pfund pro Filmtitel sowie eine prozentuale Beteiligung der Kino-Einspielergebnisse. Der erste James-Bond-Film wird 1962 „James Bond jagt Dr. No“ mit dem damals weitgehend unbekannten schottischen Schauspieler Sean Connery.

Sean Connery und Ian Fleming bei den Dreharbeiten zu "James Bond jagt Dr. No" von 1962
Doch bereits im April 1961 erleidet Ian Fleming seinen ersten Herzanfall. Im August 1964, kurz nach dem Tod seiner Mutter, bekommt er im Urlaub einen weiteren, ehe er wenig später am 12. August 1964 im Krankenhaus am Sandwich Bay in der Grafschaft Kent im Alter von nur 56 Jahren einer letzten Herzattacke erliegt. Es ist der 12. Geburtstag seines Sohnes Casper.

Ian Lancester Fleming; geboren am 28. Mai 1908, gestorben am 12. August 1964
Am 28. Mai 2009 wäre Ian Fleming 101 Jahre alt geworden. Er verfasste insgesamt zwölf James-Bond-Romane sowie neun Kurzgeschichten mit seinem Protagonisten. Bei seinem Tod lief gerade der Feinschliff des dritten James-Bond-Films „Goldfinger“ mit Sean Connery, Honor Blackman und Gert Fröbe – fünf Wochen vor der Premiere. Als die Bond-Mania 1963 das erste Mal richtig in der Welt grassierte, erlitt Ian Flemming erste Ermüdungserscheinungen bezüglich seines Helden. Albert R. Broccoli gegenüber äußerte sich Fleming einmal, dass er ernsthaft überlege, seinen Helden sterben zu lassen, bis dieser ihn energisch wachrüttelte und meinte: „Sei nicht dumm, Mann! Wenn Du ihn erst mal umgebracht hast, kannst Du ihn nie wieder zum Leben erwecken.“
Apropos zum Leben erwecken. Am 12. August 2009 jährt sich Ian Flemings Todestag zum 45sten Male. Doch in der Figur James Bond steckt so viel von Ian Fleming selbst sowie seinen Erfahrungen und Erlebnissen, dass jedes mal, wenn ein neuer Bond-Film ins Kino kommt, oder jemand eine Bond-Disk in den DVD-Player einlegt oder am Strand ein Bond-Buch aufschlägt, ein Teil Ian Flemings neu zum Leben erwacht.
© Andy Ilmberger, Mai 2009
Übrigens stecken die James-Bond-Bücher voll literarischer Lebensweisheiten und Zitate, von denen ich hier zumindest einmal ein paar davon aufführen möchte:

James Bond, so wie ihn Ian Fleming für seine Bücher skizzierte
„Wissen Sie, wenn man jung ist, scheint der Unterschied zwischen Gut und Böse völlig klar zu sein; aber je älter man wird, desto schwieriger wird es. In der Schule ist es so einfach, sich seine Helden und seine Bösewichter herauszusuchen, und wenn man dann größer wird, möchte man ein Held sein und die Bösewichter umbringen!“
Ian Flemings James Bond in „Casino Royale“ von 1953
“Man musste seinem Schicksal folgen und durfte froh sein, dass man kein Gebrauchtwagenhändler war oder Journalist eines Revolverblattes oder ein Krüppel … oder tot!“
Ian Flemings James Bond in „Liebesgrüße aus Moskau“ von 1957
„Töten und getötet werden, das war die Losung, immer und überall.“
Ian Flemings James Bond in „Goldfinger“ von 1959
“Unser Commissioner hat einen Grundsatz: Schick nie einen Mann, wenn Du eine Kugel schicken kannst! Halten Sie sich daran. Und leben sie wohl, Commander.“
Oberst Johns zu Ian Flemings James Bond in „For Your Eyes Only“ von 1960
“Ich habe einmal gelernt, dass jedes Geschäft, das nach neun Uhr Abends abgeschlossen wird oder mehr als zehn Prozent abwirft, gefährlich ist. Das unsere kann bis zu Tausend Prozent einbringen und wird fast ausschließlich nachts getätigt. Also ist es wohl doppelt riskant.“
Ian Flemings James Bond zu Kristatos in „Risico“ von 1960
„Du lebst nur zweimal: Einmal, wenn Du geboren wirst, und einmal, wenn Du dem Tod ins Gesicht siehst.“
Ian Flemings James Bond in „You Only Live Twice“ von 1963

Ian Flemings "Thriller Map": Die Welt von James Bond in einem Bild
“Ich werde meine Tage nicht damit vergeuden, sie zu verlängern. Ich werde meine Zeit nutzen!“
M’s Vorschlag zur Grab-Inschrift von Ian Flemings James Bond in „You Only Live Twice“ von 1963
“Wenn ich einen Sohn hätte, würde ich ihm, sobald er alt genug wäre, nur einen einzigen Rat geben. Ich würde sagen: Gib Dein Geld aus, wie es Dir Spaß macht, aber kaufe nichts, was Dich auffrisst!“
Ian Flemings James Bond in „Diamonds are forever“ von 1956
Ian Flemings Sohn Casper übrigens scheint diese Lebensweisheit nur zur Hälfte kapiert zu haben. Trotz seines Erbes von umgerechnet rund 3,3 Millionen Deutschmark verstarb er am 4. Oktober 1975 an einer Überdosis Drogen.
Auflistung aller James-Bond-Romane (und ihre deutschen Buchtitel):
1953: Casino Royale (Casino Royale)
1954: Live And Let Die (Leben und sterben lassen)
1955: Moonraker (007 James Bond Mondblitz)
1956: Diamonds Are Forever (Diamantenfieber)
1957: From Russia With Love (Liebesgrüße aus Moskau)
1958: Doctor No (007 James Bond jagt Dr. No)
1959: Goldfinger (007 James Bond contra Goldfinger)
1961: Thunderball (007 James Bond, Feuerball)
1962: The Spy Who Loved Me (007 Der Spion der mich liebte)
1963: On Her Majesty’s Secret Service (007 James Bond und sein gefährlichster Auftrag, später: James Bond, im Geheimdienst ihrer Majestät)
1964: You Only live Twice (007 James Bond reitet den Tiger, später: James Bond, du lebst nur zweimal)
1965: The Man With The Golden Gun (007 James Bond und der Mann mit dem goldenen Colt)
Auflistung aller James-Bond-Kurzgeschichten:
From A View To Kill
For Your Eyes Only
Risico
Quantum Of Solace
The Hildebrand Rarity
Octopussy
The Living Daylights
The Property Of A Lady
007 In New York

Eine kleine Buchauswahl von Ian Flemings James-Bond-Romanen







Huhu mein lieber Andy,
fit durch meinen Jet-Leg habe ich mich morgens um halb 3 aufgerafft um mir bei dir eine gut „Gute-Nacht-Geschichte“ durch zu lesen
und siehe da ich habe sogar eine gefunden
Nicht im negativen Sinne natürlich
toller Bericht, hab mich eh schon öfters gefragt, wann du endlich den Schöpfer deines Lieblings-Agenten ins Rampenlicht stellst
Liebste Grüße,… jetzt werd ich mal wieder ins Bett huschen und versuchen zu schlafen
Hallo liebe Krissi,
faszinierend, was Du mitten in der Nacht trotz Jet-Leg alles so treibst – freut mich aber natürlich.
Zu Ian Fleming: Ja, ich fand es echt hoch interessant, als ich in seine Lebensgeschichte abtauchte. Früher dachte ich, er lebt in seinen Büchern seine unterdrückten Jugend- und Macho-Fantasien aus. Dabei hat er gar nichts unterdrückt sondern selbst gelebt und letztlich nur ausgeschmückt und nach seiner Ehe eben in seiner Fantasie verlängert. Außerdem würde ich mich auch gerne im Winter an die Sonne und ans Meer zurückziehen und im Frühling mit einem neuen Buch zurückkehren, nur mit ehrlich Arbeit dürfte dass kaum erreichbar sein…
Aber ein bisserl träumen darf man ja, oder?!