Einer der besten Torhüter aller Zeiten und stets das Ei ähhh Herz am rechten Fleck: Oliver Kahn
„Eier – wir brauchen Eier!“
Oliver Kahn nach dem Bundesligaspiel vom 1. November 2003 bei der 0:2 Bayern-Niederlage auf Schalke.
So sehr Oliver Kahn außerhalb des FC-Bayern-München-Hoheitsgebietes vielleicht auch polarisieren mag, mit diesem Zitat beweist der Titan ja wohl unumstritten viel Weitsicht… besonders jetzt so kurz vor Ostern! Doch Oliver Kahn behielt nicht nur mit seinen Aussagen meistens recht, er war auch sportlich einer der Größten, wahrscheinlich sogar der größte Fußballer innerhalb seiner aktiven Zeit. Für die breite Öffentlichkeit spielte er vermutlich sogar zu gut, denn wer ihn schon nicht zum Freund haben konnte, wollte Kahn wenigstens als Feindbild bespucken oder mit Golfbällen bewerfen – was in der Bundesliga so ziemlich jeder Fan außerhalb von Karlsruhe und München auch tat.

Für seine Glanzparaden liebten ihn seine Fans, die Gegner hassten Oliver Kahn dafür
Damit musste Oliver Kahn als Spieler eben leben. Dafür erfreute sich der Weltklasse-Torhüter bei den FC-Bayern-Fans umso intensiverer Verehrung. Denn Oliver Kahn war nicht nur Profi, vielmehr verkörperte er den Fußball und zeigte stets die Eigenschaften, die man von einem echten Sport-Idol genau so sehen möchte, als da wären: Talent, Ehrgeiz, Vereinstreue und die Einstellung, in jedem Spiel 110 Prozent geben zu wollen. Eigenschaften, die von den heutigen Elite-Kickern zumindest teilweise viel zu sehr vom Profitdenken verdrängt werden. Doch lediglich bei der WM 2002 in Japan und Süd Korea, als der National-Torwart zum Titanen empor stieg und Deutschland fast im Alleingang ins WM-Endspiel trug, war Oliver Kahn für vier Wochen ein Volksheld. Mit Anpfiff der Bundesliga-Saison 2002/2003 waren Kahns Heldentaten aber bereits verdrängt…

Oliver Kahn bei Jens Lehmann als Motivator beim Elfmeterschießen zwischen Deutschland und Argentinien (WM 2006)
Apropos WM-Finale 2002. Trotz seiner versprühenden Siegermentalität, dem Gewinn von über 20 Titeln und etwa genauso vielen Auszeichnungen, bleiben dem Großteil der Öffentlichkeit wohl vor allem die sensiblen Bilder im Kopf, etwa als Oliver Kahn nach der 0:2 Niederlage im WM-Endspiel gegen Brasilien niedergeschlagen am Torpfosten sitzt, oder als er beim Sommermärchen 2006 beim Viertelfinale gegen Argentinien seinen Konkurrenten Jens Lehmann kurz vor dem Elfmeterschießen mit den Worten „Das ist jetzt Dein Ding“ moralisch unterstützt und ihn dabei freundschaftlich umarmt. Und dann war da natürlich noch sein Abschiedsspiel vom FC Bayern München gegen die deutsche Nationalmannschaft (1:1) am 2. September 2008 mit einer ergreifenden Ehrenrunde samt anschließendem Kabinenabgang in die Tiefen der Münchener Allianz-Arena. Diese Szenen zeigten auch Nicht-Bayern-Fans, dass Oliver Kahn doch nicht der personifizierte Kotzbrocken zu sein scheint. Und prompt überlegte der Erzfeind Schalke 04 ernsthaft, ob Oliver Kahn nicht ein hervorragender Manager für die Königsblauen wäre. Also jenen Oliver Kahn, der am letzten Spieltag der Saison 2000/2001 beim plötzlichen Rückstand von 0:1 kurz vor Schluss gegen Hamburg seinen Bayern schreiend („Niemals aufgeben! Immer weitermachen! Immer weiter! Immer weiter!“) neues Adrenalin und Testosteron einimpfte (zu gut deutsch: Eier!) und so mit Hilfe des Patrick-Anderson-Freistoßes zum 1:1 kurz vor Schlusspfiff die Schalker vom 4-Minuten-Meister zum Vize-Meister der Herzen degradierte!? Genau diesen Oliver Kahn wollte Schalke 04 nun anheuern… Dabei sollte Oliver Kahn doch 2010 das Erbe des Bayern-Managers Uli Hoeneß antreten?! Wir werden es erleben, wo es Kahn künftig hin verschlägt, Schalke wird es jedenfalls nicht!
Zum Abschluss noch ein paar Zahlen, Fakten und Rekorde zu Oliver Kahn gefällig?
Zur Welt kommt Oliver Kahn am 15. Juni 1969 in Karlsruhe. In seiner Heimatstadt kickt Olli ab Mitte der 1970 als Libero in der F-Jugend und ab 1987 im Profikader für den KSC, ehe er 1994 für 4,6 Millionen Mark zum FC Bayern München wechselt – die höchste Summe, die bis zum damaligen Zeitpunkt je für einen Bundesliga-Keeper überwiesen wurde. Mit dem FC Bayern München holt Oliver Kahn acht Mal die Deutsche Fußball-Meisterschaft, sechs Mal den DFB-Ligapokal, sechs Mal den DFB-Pokal sowie den UEFA-Cup (1996). Höhepunkt ist jedoch 2001 der Sieg der UEFA Champions League sowie der anschließende Gewinn des Weltpokals. Ganz nebenbei hält Oliver Kahn zudem den Rekord mit 19 Zu-Null-Spielen hintereinander und die Saison 2007/2008 schloss er mit den wenigsten Gegentreffern seit Bestehen der Bundesliga ab, nämlich 21. In England 1996 triumphiert er zudem mit der Nationalmannschaft als Europameister, allerdings noch als Ersatztorwart hinter Andreas Köpke. Neben zahlreichen Ehrungen als bester Spieler der Saison erhält Oliver Kahn von 1999 bis 2002 vier Jahre lang durchgehend die Auszeichnung „Bester Torwart Europas“, 1999, 2001 und 2002 wird er zusätzlich noch Welttorhüter und bei der WM 2002 in Japan und Süd Korea wählt man ihn zum Besten Torwart und Spieler des Turniers. Während seiner aktiven Laufbahn bestreitet Oliver Kahn 86 Länderspiele, über 100 Champions-League-Partien und über 550 Bundesliga-Spiele – 429 davon für den FC Bayern München.

Hier kaut Oliver Kahn den Dortmunder Heiko Herrlich gerade ein Ohr ab...
Des Weiteren hat Oliver Kahn noch zahlreiche Eckfahnen, ein gefaustetes Tor gegen Hansa Rostock, diverse Verletzungen von gegnerischen wie auch eigenen Mitspielern und das komplette Selbstbewusstsein von Andreas Herzog auf dem Gewissen. Samuel Kuffour musste nach einem Zusammenprall mit dem Titanen ohnmächtig vom Platz. Und Heiko Herrlich bekam von Oliver Kahn sogar mal einen beherzten Biss ins Ohrläppchen, welchen Oliver Kahn folgendermaßen rechtfertigte: „Der Trainer hat gesagt, wir sollen uns am Gegner festbeißen. Das habe ich versucht zu beherzigen…“ Dies ist übrigens auch der Grund, warum der Osterhase trotz der klaren Sympathiebekundung von Oliver Kahn für Eier einen größtmöglichen Sicherheitsabstand hält – damit ihm als Langohr nicht passiert, was Millionen seiner schokoladigen Artgenossen Jahr für Jahr bereits erleiden müssen!
© Andy Ilmberger, April 2009
Zum Abschluss gibt es hier noch ein paar Karriere-Höhepunkte und ein Glanzparaden-Sammelsurium auf Video. Vielen Dank übrigens an die Macher dieser Filme!






