Eines Abends im Volkshochschulkurs irgendwo in Süddeutschland. Der jung-dynamische Meeresbiologe an der Tafel überflutet mein Gehirn mit knallharten Fakten und skurrilen Wahrheiten rund ums Meer und dessen Bewohnern. Jedoch, so wirklich viel weiß man ja eigentlich noch nicht über unsere Weltmeere. Bislang gelten rund 95 Prozent der salzigen Gewässer als unerforscht. In den verbleibenden fünf Prozent liegen solch bahnbrechende Erkenntnisse wie zum Beispiel, dass Meerwasser circa drei Prozent Salz enthält, der Atlantik dabei aber salziger ist als der Pazifik und dass alle Ozeane zusammen durchschnittlich 3.990 Meter Tiefe aufweisen. Während mein Kopf all diese Informationen und Zahlenfluten in der richtigen Partition meiner Festplatte speichert, tauchen meine Gedanken ab in unbekannte Gewässer und fangen dort an, die weiters dargelegten Tatsachen des engagierten Meeresbiologen in meinem Kopf zu visualisieren.

Wirklich wahr: Pinguine tauchen über 500 Meter tief!
Wusstet Ihr etwa, dass Krokodile Steine fressen, um tiefer tauchen zu können?! Wie die Steine den Kroko-Körper wieder verlassen? Keine Ahnung! Mein Traum findet Krokodile aber eh doof, er zieht mich weiter runter ins Meer, wo der Ozeanologe weiter aufklärt. Unten erfahre ich, dass Königspinguine über 500 Meter tief tauchen können – und das ganz ohne Steine zu schlucken. Bleibt die Frage, welche Taucheruhr die Frackträger dabei an die Flosse schnallen, die einem solchen Wasserdruck standhält. Und selbst wenn Pinguine auf diesen technischen Schnickschnack verzichten würden (also die weiblichen vermutlich), musste ja zumindest der tauchende Vermessungsbeamte mit irgendetwas am Handgelenk ins Wasser steigen… ups, das bin ja in dem Fall ich?! Wie bin ich denn hierhin geraten? Naja, zumindest krieg ich noch Luft … irgendwie jedenfalls! Jetzt schießt noch ein anderer Koloss an mir vorbei, ein See-Elefant?! Über Pinguine können See-Elefanten ja nur müde lächeln. So ein echter See-Elefant schafft nämlich ganze 1.500 Meter unter die Wasseroberfläche. Um beim Tauchgang der See-Elefanten als Mensch live dabei zu sein, bräuchte es schon etwas mehr als eine gute Taucheruhr … vielleicht eine sehr gute Taucheruhr … eine mit U-Boot drum herum. Nur wer hat schon immer ein U-Boot im Kofferraum, wenn er einen See-Elefanten trifft? Ich glaube ihm die Tiefe jetzt mal ungesehen.

Wirklich wahr: Ein Octopus schlüpft durch ein zweieurostückgroßes Loch!
Aber selbst ohne U-Boot lassen sich in den Tiefen der Meere jede Menge neuer Erfahrungen sammeln. Zum Beispiel, dass sich der gerade eben von mir aufgeschreckte und zu Recht verärgerte Octopus ganz locker durch das zweieurostückgroße Löchlein in der Felswand zwängt, hinter der ich mich gerade verzweifelt zu verstecken versuchte. Im Eifer des Gefechtes reiß ich mir dann noch den Tauchanzug und meine darunter liegende Haut an den messerscharfen Korallen auf. Och, denk ich mir, ist ja nur ein Kratzer – naiv gedacht. Denn Haie, zumeist die hungrigen, wittern Blut im Wasser mit einem Verdünnungsfaktor von 1:100 Millionen und nehmen so locker meine Fährte auf. Dabei fällt mir ein, dass ein Hai im Laufe seines Lebens etwa 20.000 Zähne verschleißt, und einen Gebisssatz hat er womöglich schon für meine Wenigkeit reserviert. Und schon verkommt mein schlüpfriger, achtarmiger Freund von gerade eben zu meinem nur noch zweitgrößten Problem.

Wirklich wahr: Im Amazonas gibt es rosane Delfine!
Bleibt das Hoffen auf das Unterwasser-Rettungskommando, die Superhelden der Weltmeere: Delfine. Wenn sie denn rechtzeitig am Ort des Geschehens ankommen. Delfine bewegen sich nämlich nur mit maximal 54 Kilometer die Stunde. Sie könnten schon schneller schwimmen, aber dies würde wohl ihre zarte Haut zu sehr schmerzen, deshalb lassen sie es einfach. Haien hingegen ist empfindliche Haut wurscht, sie haben schließlich Hunger und schwimmen dafür schon mal 65 km/h. Vielleicht sind Delfine eben doch nur schwule Haie. Immerhin wurden im Amazonas wirklich schon des Öfteren rosarote Delfine gesichtet, da werden Ausreden aber ganz schnell knapp… Faszinierend auch, wie Delfine schlafen! Würden Delfine ihr komplettes Gehirn ins Reich der Träume entlassen, ersaufen sie schlichtweg – blubb, blubb, tot. Deshalb schalten Delfine stets nur eine Gehirnhälfte ab und schwimmen mit der anderen Hälfte weiter. Ich kenne Menschen, die funktionieren im Wachzustand genauso wie schlafende Delfine! Seesterne haben sogar überhaupt kein Hirn. Auch da kenne ich jede Menge an menschlichen Beispielen, die ein ganz ähnliches System praktizieren, aber das ist ein anderes Thema.

Wirklich wahr: Aale haben das feinste Näschen, trotz Ermangelung einer selbigen.
Kommen wir nun zu etwas völlig anderem, zu Heringen. Heringe unterhalten sich untereinander, indem sie sich gegenseitig anfurzen… behauptet zumindest der Herr Meeresforscher. Wenn man da mal zu einer zünftigen Kaffeeklatsch-Runde hinzu stößt oder wenn die Heringe grad politische Diskussionsrunden abhalten…? Puh! Letzteres Szenario käme der dicken Luft aus unserem Bundestag vermutlich schon verdammt nahe! Schön auch die These, dass Wale beim Kommunizieren mit Dialekt quatschen. Das hab ich bereits in einem Dokumentarfilm über Fische im Fernsehen gesehen… wie hieß denn der Streifen gleich noch mal … ach ja: „Findet Nemo“, genau! Na ja, wenigsten furzen Wale nicht, wenn sie’s Maul aufreißen! Ebenfalls eine Info, die mein Leben von Grund weg verändert: Aale besitzen den besten Geruchssinn aller Tiere – wirklich wahr. Dumm nur, wenn man sich als Aal mit frisch geputzter Nase in einem Heringsschwarm verirrt, worin gerade noch ein Selbsthilfekurs zur Überwindung der kommunikativen Schüchternheit stattfindet. So oder so ähnlich muss es zumindest dem Aal kurz vorher ergangen sein, den man völlig verwirrt und entkräftet in 8.370 Metern Tiefe gefangen nahm. Übrigens die tiefste Tiefe, in der jemals ein Mensch einen Fisch am Haken hatte – an dieser Stelle auch herzlichen Glückwunsch von unserer Seite.
So langsam versprühen meine Gedanken Unruhe in mir. Fragen quälen mein Gemüt: Wieso sterben Fische an Sonnenbrand? Warum haben Kraken drei Herzen, aber nur einen Lieblingsarm? Wieso trinken Süßwasserfische kein Süßwasser, Salzwasserfische aber sehr wohl Salzwasser? Und warum kann ein Monstrum von Lebewesen wie der Blauwal nichts schlucken, was größer als eine Grapefruit ist? Und was zerrt und reißt eigentlich an meinem Ärmel herum – hat mich etwa der Hai geschnappt? Was für ein Glück, ist nur die Aufforderung, endlich aufzustehen – der Vortrag ist zu Ende. Na dann, petri heil.
© Andy Ilmberger, Februar 2009
Hier geht es zu: Tierische Fakten, die niemand zu fragen wagte! Teil 2: Sex und Schweinereien







blubb, blubb, tot – erkläre ich hiermit zum Satz des Tages
Find deine Story total gut geschrieben
macht echt Spaß sie zu lesen
Und das Heringe furzen ist mir auch neu
Aber es gibt die lustigsten Dinge in der Tierwelt, ich stell dir mal ein Video meiner Katze zusammen, wie sie mit Fliegen oder Käfern umgeht ^^ total lustig
Also einen schönen Tag noch
Hallo Krissi,
dass „blubb, blubb, tot“ Dein Satz des Tages ist, bedeutet hoffentlich nicht, dass Du einen üblen Tag befürchtest… ?!
Aber aus dem Tierreich gibt es echt kuriose Dinge zu berichten. Hab noch einiges über Tierchen über Land, aber die passten da jetzt nicht in die Geschichte. Eventuell mach ich dazu mal was eigenes … vielleicht ja sogar mit Katze
Alles Liebe!
Schade aber auch, dass Du die Hirngeschichte nicht doch vertiefst. Auch mal. Nicht oder. Großartige Abendlektüre. Danke dafür aber auch.
Hallo Schroeder,
Du wolltest wohl Namen wissen, wie? Keine Chance, das ist ein sauberer Blog… oder auch nicht?! Egal.
Danke fürs Lob und viele Grüße in die Schweiz!