Am 22. Januar 2009 läuft in den deutschen Kinos der neue Blockbuster „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle an. Und was ist nicht schon 2008 alles über diesen Film diskutiert worden, noch bevor irgendjemand auch nur einen Schnipsel des Streifens gesehen hat. Allgemeiner Tenor: Müssen wir Deutsche uns von Hollywood unsere Geschichte erklären lassen? Sagen wir mal so. Sollten wir uns nicht einfach geehrt fühlen, dass die US-Amerikaner sich neuerdings auch mal einer Seite Deutschlands zuwenden, die sie bisher noch nicht mal kannten … und ehrlich gesagt auch bei uns mehr von Halbwissen als von Tatsachen-Kenntnissen geprägt ist!? Für mich im Kino war es jedenfalls irgendwie ein gutes Gefühl, als Nachkriegsdeutscher nicht wie schon so oft über den einen großen und bösen Nazi-Kamm geschert worden zu sein, sondern dass die Welt dank Hollywood mal einen anderen Blickwinkel in die deutsche Vergangenheit zu Gesicht bekommt.
Die noch größeren Bedenken hörte man allerdings gegen den Stauffenberg-Darsteller Tom Cruise: Darf ausgerechnet ein Publicity-süchtiger, dekadenter, arroganter, amerikanischer Scientologe unseren deutschen Widerstandshelden darstellen? Ja, er darf. Warum? Weil er es kann und die Rolle wirklich exzellent umsetzt! Natürlich lässt sich über seine religiöse Einstellung und die Darstellung seines Privatlebens nach außen herrlich diskutieren. Ungeachtet dessen funktioniert aber Tom Cruise in dem Streifen „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“ einfach perfekt. Dank seiner charismatischen Ausstrahlung und eindringlichen Leinwandpräsenz vergisst man nach spätestens fünf Minuten, dass das da vorne Tom Cruise ist, viel mehr ist er dann einfach Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Und wenn sich ein Weltstar wie Tom Cruise einer solchen Rolle annimmt, hilft er Deutschland in diesem Moment mehr, als er mit seiner Angehörigkeit zu Scientology schaden kann – vergessen wir daher für zwei Stunden Tom Cruise’s Privatleben und zittern wir mit um Graf von Stauffenberg.

Tom Cruise alias Claus Schenk Graf von Stauffenberg
Und zittern ist wirklich angesagt, denn der Film ist nicht nur sehr wahrheitsgetreu und authentisch inszeniert (zumindest soweit ich das beurteilen kann, ich war ja damals nicht dabei) sondern unheimlich spannend. Beginnend mit dem ersten Mordversuch an Hitler von Generalmajor Henning von Treschkow (Kenneth Branagh), über Stauffenbergs Vorsprechen bei Adolf Hitler (David Bamber) und das Ergattern der Unterschrift unter den modifizierten Befehl der „Operation Walküre“, bis hin zur Durchführung des Attentates in der Wolfsschanze und dem anschließenden Putschversuch. Als Salz in der Suppe wird zudem noch Stauffenbergs Privatleben und seine damit verbundene Angst um seine schwangere Ehefrau Nina von Stauffenberg (Carice van Houten) und seine vier Kinder beleuchtet. Über die genauen Hintergründe zu Stauffenbergs Person und der „Operation Walküre“ selbst berichtete ich ja bereits unter „Zitat der Woche (KW 04, 2009) – von Claus Schenk Graf von Stauffenberg“. Und der Film hält sich wie gesagt weitgehend an alle historischen Fakten. Obwohl das unglückliche Ende ja bestens bekannt ist, ertappt man sich bei all der Spannung gegen jedes bessere Wissen bei der Hoffnung, dass der Staatsstreich ja vielleicht doch noch funktioniert. Vor allem, als der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels kurz vor seiner Verhaftung bereits seine Todespille im Mund hat und erst just in diesem Moment der für ihn rettende Anruf Adolf Hitlers ertönt, kommt einem der Gedanke: „ein paar Sekunden noch, und es hätte alles gut enden können…!“
Gedreht wurde „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“ in Deutschland, unter anderem sogar im originalen Berliner Bendlerblock, der Zentrale des Staatsstreiches „Operation Walküre“. Als weitere Stars in diesem Streifen wirken neben Tom Cruise mit: Kenneth Branagh (Wild Wild West; Harry Potter und die Kammer Schreckens), Bill Nighy (Underworld 1 + 2; Piraten der Karibik 2 + 3), Tom Wilkinson (Batman Begins; Shakespeare in Love), Terence Stamp (Superman 1 + 2; Wallstreet; Star Wars), Eddie Izzagard (Ocean’s 13; Die Chroniken von Narnia) sowie Bernard Hill (Titanic, Herr der Ringe). Auch deutsche Schauspieler durften quasi in einem Heimspiel mitwirken, darunter Thomas Kretschmann (Stalingrad; Der Untergang, King Kong) sowie bei seinem Filmdebüt der Enkel von Claus Schenk Graf von Stauffenberg persönlich: Philip von Schulthess. Regie führte übrigens Bryan Singer, bekannt durch Filme wie „Die üblichen Verdächtigen“, „Superman Returns“ oder „X-Men“.
Fazit zu „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat:
Wenn man diesem Film irgendetwas vorwerfen kann, dann ist es ein fehlender Aspekt: Die Wandlung des Grafen von Stauffenberg von einem vaterlandsgetreuen Nationalsozialisten zum bedingungslosen Widerstandskämpfer gegen Adolf Hitler und sein Nazi-Regime. Graf von Stauffenberg ist eben von Anfang des Films an dagegen – zu Beginn schon sehr und nach dem knapp überlebten Tieffliegerangriff der Alliierten in Tunesien so richtig. Abgesehen davon bietet der Film tatsächlich den spannendsten Geschichtsunterricht seit langem, der einen trotz seiner Wahrheitstreue für zwei Stunden an den Kinosessel fesselt – natürlich ist dies nicht zuletzt dem mutigen und couragierten Handeln von Stauffenberg zu verdanken. Aber auch die besten Geschichten müssen erst mal von jemandem gut erzählt werden. Danke dafür, Hollywood.
Übrigens besuchten 10 Millionen US-Amerikaner innerhalb der ersten zwei Wochen Laufzeit den Film „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“. Vielleicht werden es im Laufe der Zeit ja noch 20 bis 30 Millionen. Das wären etwa 10 Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung, die von Deutschland ein neues, besseres Bild erfahren würden. Gemein unterstellt wissen 80 Prozent der Amis eh kaum noch, wer Hitler war und die restlichen 10 Prozent, die den 2. Weltkrieg noch mitgemacht haben, sterben irgendwann mal weg. Es sollte also wieder aufwärts gehen mit der deutschen Reputation im Ausland – und das mit Hilfe eines Scientologen.
© Andy Ilmberger, Januar 2009







Guten Morgen
das ist dir mal wieder total gut gelungen!!! Bin richtig neugierig geworden. Und heute abend gehen wir essen und anschließend ins Kino
(sofern Stefans Weisheitszähne das auch wollen, die haben ihn nämlich heute Nacht vom Schlafen abgehalten,…)
Lieben Gruß und einen guten Arbeitstag
Alle Achtung!!! Du hast dich übertroffen
muss ich sagen,… deine Kritik ist mindestens so gut wie der Film und ich fand ihn HAMMER!!!
Ganz liebe Grüße nach Bayern
Hallo Krissi,
vielen Dank für die Blumen, freut mich dass Dir sowohl Film als auch Kritik hammermäßig gefallen haben … und ja, ich hatte ganz gute Insider-Informationen…
Gute Nacht nach ins schönste Dorf der Welt