„Die Versprechen des Führers von Frieden und Wohlstand sind verfälscht worden und haben nichts als Verwüstung hinterlassen. Die von Hitlers SS verübten Gräueltaten sind eine Schande für die Ehre der deutschen Wehrmacht. Im Offizierkorps herrscht weit verbreitete Abscheu über die Verbrechen, die von den Nazis begangen werden: Die Ermordung von Zivilisten, die Folter und das Verhungernlassen der Gefangenen, die Massentötung der Juden.
Meine Pflicht als Offizier besteht nicht mehr darin, mein Land zu retten, sondern Menschenleben. Ich finde keinen einzigen General, der in der Position ist und den Mut hat, Hitler entgegenzutreten. Ich befinde mich unter Männern, die nicht willens oder nicht fähig sind, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen: Hitler ist nicht nur der Erzfeind der ganzen Welt, er ist der Erzfeind Deutschlands. Es ist Zeit, dass sich etwas ändert.“
Diese Woche am 22. Januar 2009 kommt der heiß diskutierte Film „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ mit Tom Cruise als Graf von Stauffenberg in die deutschen Kinos (hier geht es zur Filmkritik von: „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“). Grund genug für Wortgef(l)echt, ausnahmsweise mal etwas politisch zu werden, zumindest geschichtspolitisch.

Claus Philip Maria Schenk Graf von Stauffenberg (*15. November 1907, †21. Juli 1944)
Claus Schenk Graf von Stauffenberg gilt neben den Geschwistern Sophie und Hans Scholl (Die weiße Rose) sowie Oskar Schindler als das Aushängeschild für den deutschen Widerstand gegen Hitlers Nazi-Regime – und dass auch vollkommen zu Recht. Der Unterschied von Graf Stauffenberg zu den Geschwistern Scholl war allerdings, dass er zunächst durchaus ein Befürworter Hitlers war. Außerdem leistete er einst einen Treueid auf sein Vaterland und damit auch auf den Führer. Solch ein Treueid hatte in der damaligen Gesellschaft, worin bedingungslose Loyalität weit über Recht, Moral und Aufgeklärtheit stand, einen unverrückbaren Stellenwert – von diesem Treueid musste sich Stauffenberg erstmal abwenden. Zumal die Konsequenzen beim Scheitern seines Putschversuches mehr als vorhersehbar waren: seinen Tod und der seiner Gefolgsleute, aller Familienangehörigen sowie der Status als Vaterlandsverräter. Die Geschwister Scholl aus München hingegen konnten völlig „unbelastet“ von irgendwelchen Schwüren gegen Hitler und sein Nazi-Regime aufbegehren. Graf Stauffenbergs Widerstand gipfelte am 20. Juli 1944 im Attentat auf Adolf Hitler und dem anschließenden Staatsstreich-Versuch unter dem Decknamen „Operation Walküre“ gegen die Nationalsozialistische Regierung – hierzu gleich mehr im Text.
Claus Schenk Graf von Stauffenbergs Jugendzeit und Liebesleben
Doch bevor es blutig wird, zunächst ein kurzer Abriss über Graf Stauffenbergs Zeit vor dem Attentat auf Hitler. Geboren wurde Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg am 15. November 1907 im bayerischen Jettingen in der Nähe von Augsburg als dritter Sohn der Adelsfamilie von Stauffenberg – übrigens ein bis dato 700 Jahre altes Adelsgeschlecht. Trotz seines Bildungshungers und der Liebe zur Literatur, Musik und Architektur entschied sich der junge Graf von Stauffenberg nach seinem Abitur 1926 für eine militärische Karriere bei der deutschen Reichswehr. Er begann also als Offiziersanwärter bei der Kavallerie in Bamberg und nach Ausbildungsstationen in Dresden und Hannover schloss Stauffenberg die Offiziersprüfung 1929 als Jahrgangsbester ab.

Der Jüngling Claus Schenk von Stauffenberg
Am 26. September 1933 heiratete Graf von Stauffenberg seine große Liebe Nina Freiin von Lerchenfeld, mit der er insgesamt fünf Kinder hatte. Seine jüngste Tochter Konstanze, mit der seine Frau während des Putschversuches gerade schwanger ging, bekam Graf von Stauffenberg nie zu sehen. Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg brachte Konstanze am 27. Januar 1945 während einer Inhaftierung durch die Nazis im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück (100 KM nördlich von Berlin) zur Welt. Übrigens war Claus Schenk Graf von Stauffenberg wohl tatsächlich Ninas Liebe ihres Lebens und so hatte sie auch nach dem Überleben in diversen Konzentrationslagern nie mehr geheiratet. Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg verstarb am 2. April 2006 im Alter von 92 Jahren in Bamberg.
Claus Schenk Graf von Stauffenbergs Wandel zum deutschen Widerstand
So viel zu Stauffenbergs Liebesleben. Auch beim Militär ging Stauffenbergs Karriere stetig steil nach oben. Und bis zur Annektierung des Sudetenlandes 1938, bei der unser Protagonist aktiv teilnahm, beförderte man ihn bereits zum Zweiten Generalstabsoffizier. Bekleidet mit diesem Rang wirkte er sowohl an den Feldzügen gegen Polen wie auch gegen Frankreich mit und war zumindest nach außen hin bis zu seiner Beförderung zum Ersten Generalstabsoffizier im Januar 1943 seinem Führer noch loyal ergeben. Was auch immer um 1942/43 genau passierte, irgendetwas muss Stauffenberg kräftig die Augen geöffnet haben. Manche Quellen meinen die Massenmorde der SS im Russlandfeldzug an den Kriegsgefangenen als Hauptursache ausgemacht zu haben. Anfang 1943 jedenfalls wurde Graf von Stauffenberg und seine Einheit nach Nordafrika als Schutzschild für Generalfeldmarschall Erwin Rommel (straf?-)versetzt, wo Stauffenberg immer wieder eklatante Fehler in Hitlers Kriegsführung ausmachte. Auch das moralische Denken und Handeln (man könnte es auch ruhig Gräueltaten nennen) der Nazis gegenüber Juden, Kriegsgefangenen, Minderheiten, Regimegegnern und Andersdenkenden brachten Stauffenberg zunehmend zum Umdenken, was auch folgendes Zitat aus dieser Zeit belegt:
„Es ist Zeit, dass jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen.“
Am 7. April 1943 überlebte Stauffenberg einen Tiefflieger-Angriff der Alliierten in Tunesien nur knapp, verlor dabei sein linkes Auge, die rechte Hand sowie zwei Finger seiner linken. Zur Genesung kam er nach München, wo es vermutlich zum ersten ernsthaften Kontakt Stauffenbergs mit der deutschen Widerstands-Szene kam, welche bespickt mit ranghohen Militärs, Adligen, Christen und Politikern der Opposition war. Ziel dieser Gruppe war jedoch nicht allein die Ermordung Hitlers. Wenigstens Heinrich Himmler und Hermann Göring sollten mit einem Schlag mit beseitigt werden, damit dem einen Wahnsinnigen nicht gleich ein Verrückter nachfolgt. Außerdem plante man bereits für die Zeit nach Hitler. Irgendwie musste man sicherstellen, dass weder die hohen Parteimitglieder der NSDAP noch die Gestapo (Geheime Staatspolizei) oder die SS (Schutzstaffel der NSDAP) anstatt ihrer die Schlüsselpositionen der Macht nach Hitlers Tod im Deutschen Reich an sich reißen.
Stauffenbergs Attentat-Versuch und der anschließende Staatsstreich „Operation Walküre“
All dies war Bestandteil der „Operation Walküre“. Operation Walküre war eigentlich ein Schutzbefehl Hitlers zum Einsatz eines Ersatzheeres, falls es innerhalb Berlins zu Unruhen kommen sollte. Stauffenberg, mittlerweile zum Oberst und Stabschef des allgemeinen Heeresamts im Berliner Bendlerblock aufgestiegen und somit persönlich bei Hitlers Lagebesprechungen anwesend, änderte den Befehl ab und „optimierte“ ihn für den geplanten Staatsstreich. Ziel war es, NSDAP-nahen Institutionen wie der Gestapo und der SS den Mordanschlag an Hitler in die Schuhe zu schieben und sie nach Hitlers Tod durch das Ersatzheer verhaften zu lassen. Der neue Mann an der Spitze des Staates wäre dann aus dem Kreise der Widerständler empor gekommen.
Immerhin gelang es Claus Schenk Graf von Stauffenberg, unter seinem „getunten“ Befehl der „Operation Walküre“ eine Unterschrift Hitlers zu bekommen – heikel genug möchte man meinen. Noch schwieriger gestaltete sich jedoch die Ausführung des Attentats selbst. Nach zwei kurzfristig abgebrochenen Versuchen in Hitlers Privatdomizil am Obersalzberg (11. Juli) sowie im Führerhauptquartier Wolfsschanze (15. Juli), weil entweder Himmler oder Göring durch ihre Abwesenheit Stauffenbergs Pläne durchkreuzten, tat sich am 20. Juli eine dritte Chance im Bunker Wolfsschanze auf, die nun um jeden Preis genutzt werden musste. Zwei kleine Sprengsätze mit britischen chemischen Zeitzündern ausgestattet, in einer Aktentasche versteckt, sollten in den dicken Gemäuern des Bunkers für alle im Raum befindlichen Personen eine tödliche Explosion verursachen. Soweit die Theorie.
Die Praxis sah allerdings etwas anders aus. Aufgrund eines Besuches des italienischen Diktators Benito Mussolini wurde die Besprechung um eine halbe Stunde vorverlegt und aufgrund der Sommerhitze fand die Lagebesprechung nicht im Bunker, sondern in einer Art Wintergarten statt. Wegen der verkürzten Zeit konnte Stauffenberg nur einen der beiden Sprengsätze scharf machen und dessen Wirkung fiel aufgrund des fehlenden Bunker-Gemäuers rundherum relativ schwach aus. Stauffenberg, der sich vor der Explosion mit Hilfe eines vorgetäuschten Anrufes aus der Holzbaracke entfernen konnte, sah lediglich die Explosion und ging fälschlicherweise vom Tode Hitlers aus. In Wahrheit gab es zwar vier Todesfälle, doch Adolf Hitler und 19 weitere Personen überlebten den Anschlag mit mehr oder weniger großen Blessuren. Trotzdem war die Nachrichtenlage in Berlin daraufhin sehr chaotisch. Zunächst bremsten Stauffenbergs Verschworene in Berlin den Putsch, weil es keine eindeutigen Meldungen zu Hitlers Tod gab. Erst Stauffenberg selbst, innerhalb kürzester Zeit von der Wolfsschanze nach Berlin geflohen, überzeugte seine Gefolgsleute vom angeblichen Erfolg seiner tödlichen Mission. Und so nahm der Staatsstreich sowie zahlreiche Verhaftungen von NSDAP-, SS- und Gestapo-Mitglieder zumindest für einige Stunden tatsächlich den von den Widerständlern erhofften Verlauf.
Um etwa 18:00 glaubten Graf von Stauffenberg und seine Verbündeten noch fest an das Gelingen ihres Staatsstreiches. Doch schon bald darauf wurden die Befehle von der „Operation Walküre“ in den Wehrkreisen blockiert, weil diese plötzlich neue Befehle aus dem Führerbunker bekamen und selbst überhaupt nicht mehr durchblickten, wer nun eigentlich an der Macht ist. Diese Zweifel räumte dann Adolf Hitler spät abends höchstpersönlich mit einer Propaganda-Rede ans Volk aus der Welt.
Das Ende der „Operation Walküre“ und aller deutschen Hoffnungen
Dass irgendetwas doch nicht so rund läuft, wie zunächst vermutet, merkten Stauffenberg und seine Gefolgsleute wohl schon vorher, als ihre Putsch-Zentrale Berlin Bendlerblock kommunikationstechnisch komplett von der Außenwelt abgetrennt schien. Um etwa 22:30 stürmte dann das von der Gestapo geläuterte Ersatzheer das Gebäude und verhafteten Graf von Stauffenberg und alle seine Verbündeten. Der von Stauffenberg zuvor in Haft genommene Generaloberst Fromm verordnete eine sofortige Exekution von Stauffenberg und seiner fünf engsten Mitverschwörer, die noch in derselben Nacht am 21. Juli 1944 um 0:15 ausgeführt wurde. Kurz bevor sich die Schüsse des Erschießungskommandos in seine Richtung lösten, soll Graf von Stauffenberg noch laut ausgerufen haben: „Es lebe das heilige Deutschland!“
Insgesamt wurden noch 200 am Putsch direkt beteiligte Menschen gehängt und 700 weitere in Konzentrationslagern inhaftiert – gleiches Schicksal blühte noch 5.000(!) am Putsch indirekt beteiligten Menschen.
Angeblich wurden über 40 Attentate auf Adolf Hitler verübt, erfolgreich war leider nur der Führer selbst bei seinem Selbstmord am 30. April 1945 im Berliner Führerbunker. Zu Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie allen anderen Widerstandskämpfern gegen Adolf Hitler und seinem Nazi-Regime sei gesagt: Ihr wart helle Sterne inmitten Deutschlands dunkelster Epoche – möget ihr noch lange in die ganze Welt hinaus strahlen!
© Andy Ilmberger, 18. Januar 2009







Oh wow,… gerade kommen wir aus dem Kino (haben 7 Leben geschaut) und bei der Vorschau zu Operation Wallküre, hab ich noch gedacht da muss ich rein.
Dein Artikel zu dieser geschichtlichen Zeit macht mich natürlich noch gespannter auf Donnerstag!!!
Sehr gut
Lieben Gruß und eine angenehme Arbeitswoche