„Ich bin erwacht in einem Kerker,
und Fesseln sind an meiner Hand.
Und meine Sehnsucht immer stärker.
Und Freiheit! Du mir abgewandt!“
Na, überrascht was unsere vor allem zur Weihnachtszeit allseits beliebte Märchenprinzessin sich so von der Seele schrieb? Genau genommen heißt ihre königliche Hoheit ja mit Spitznamen noch nicht mal Sissi, sondern Sisi – oder auch Lisi, wie sie sich selbst gern nannte. Der Name Sissi existiert tatsächlich nur für die filmische Sissi-Trilogie „Sissi“, „Sissi – Die junge Kaiserin“ und „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“ (1955 – 1957), die im deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten die Weihnachtsfeiertage versüßt. Gezeigt wird darin das Leben einer Prinzessin und Königin, wie es sich kleine Mädchen in ihren kühnsten Fantasien nicht schöner ausmalen könnten: allen voran die große Liebesbeziehung zwischen Sissi (gespielt von der jungen und wunderschönen Romy Schneider) und dem Kaiser Franz Joseph I. (Karlheinz Böhm), inmitten von Prunk, Kitsch und der heilen Welt der österreichischen K & K Monarchie.
Nun, dass die Produzenten solcher 50er Jahre Kitsch-Streifen (und das meine ich im positivsten Sinne) die Wahrheit der Publikumstauglichkeit zuliebe etwas zu Recht bogen, ist ihnen kaum zu verübeln. Allerdings empfand die echte Sisi ihr wahres Leben als „Kaiserin Elisabeth von Österreich und Ungarn“ alles andere als märchenhaft – wenn möglich, hätte sie ihr Dasein wohl sofort gegen ein bürgerliches Leben ohne Luxus und Prunk eingetauscht. Dies zumindest sagt das oben angeführte Gedicht von Sisi offen aus, und von dieser Sorte existieren noch so einige, zum Beispiel:
„O, dass ich nie den Pfad verlassen,
der mich zur Freiheit hätt’ geführt.
O dass ich auf der breiten Straßen
Der Eitelkeit mich nie verirrt!“

Sissi (Romy Schneider) und ihr Franzl (Karlheinz Böhm) - so glücklich wie im Film war die echte Sisi leider kaum
Wie aber sah denn nun das wahre Leben von Sisi alias der „Kaiserin von Österreich und Ungarn“ wirklich aus? Von Anfang an! Geboren wurde Sisi als Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin von Bayern, am 24. Dezember 1837 in München – Sisi ist also ein echtes Münchner Christkindl. Aufgewachsen in München (Ludwigstraße) und Possenhofen am Starnberger See (südlich von München) verbrachte Sisi eine unbeschwerte Kindheit. Anno 1853 stattete Sisis Tante Erzherzogin Sophie mit ihrem 23-jährigen Sohn Franzl, also dem Kaiser Franz Joseph I. von Österreich, einen Besuch in Bayern ab. Der Grund für den Besuch sollte die Verlobung zwischen Franz Joseph und Sisis älterer Schwester Helene sein. Doch frei nach dem Motto: „Mutter denkt, Liebe lenkt“, verguckte sich der österreichische Monarch in die bildhübsche Sisi. Franz Joseph bat die 16-jährige Unschuld vom Lande, seine Frau und Kaiserin zu werden. Sisi gab des Kaisers Drängen nach und so läuteten am 24. April 1854 in der Wiener Augustinerkirche die Hochzeitsglocken.
Glaubt man den Historikern, beruhte diese Liebe prinzipiell auch auf Gegenseitigkeit, doch die Etikette am Wiener Hof und die scheint’s recht biestige Schwiegermutter Sophie verdrießten Sisi das Leben schnell. Vor allem die Wegnahme der Erziehungsberechtigung ihrer beiden erstgeborenen Töchter Sophie Friederike und Gisela Louise Marie sowie das Gelächter am Wiener Hof über ihren bayerischen Dialekt nagten sichtbar an ihrem Seelenwohl. Schwerwiegend kam hinzu, dass Tochter Sophie im Alter von zwei Jahren an Fieber starb. Den 1858 geborenen Kronprinzen Rudolf Franz Karl Joseph überlies Sisi daraufhin kampflos ihrer Schwiegermutter. Erst bei dem zehn Jahre später (1868) geborenen Nesthäkchen Marie Valerie Mathilde Amalie durfte Sisi in die Mutterrolle schlüpfen, beide hatten entsprechend eine sehr innige Beziehung zueinander. Ihr Sohn Rudolf wurde hingegen auf Geheiß des Kaisers einem harten militärischen Drill unterzogen. Sisis Flehen an ihren Gemahl Franz Joseph, diesen Irrsinn zu beenden, stieß auf taube Ohren. Der Druck des Vaters musste auf den Kronprinzen Rudolf so schwer lasten, dass er sich 1889 mitsamt seiner Geliebten Mary Vetsera auf Schloss Mayerling das Leben nahm – sicher nicht besonders zuträglich für die Beziehung zwischen Sisi und Franz Joseph…
Andererseits hatte Sisi mit Hof und Kaiser ohnehin nicht mehr viel im Sinn. Nach einer Lungenkrankheit 1860, als Sisi zur Erholung auf Madeira eine Kur machte, entdeckte sie für sich ein geeignetes Schlupfloch, Etikette, Schwiegermutter und Monarchenpflichten möglichst oft zu umgehen – Kaiserin Elisabeth verreiste von nun an einfach so oft es nur irgendwie ging: nach Griechenland zur gesundheitlichen Erholung, nach England zum Reiten, nach Ungarn um ein wenig Politik zu treiben und von dort aus gegen die eigene Schwiegermutter zu rebellieren – und überhaupt in der ganzen Weltgeschichte, um ihren Horizont zu erweitern. War Sisi tatsächlich mal in Wien, beschäftigte sie sich vor allem mit sich selbst. Diäten, extrem viel Sport und ausgiebige Haarpflegekuren sollten sowohl die majestätische Wespentaille wie auch die sagenumwobene Schönheit bewahren. Immerhin galt Kaiserin Elisabeth als schönstes weibliches Wesen ihrer Zeit, da muss Frau schon etwas dafür tun. Die restliche Zeit verbrachte Sisi mit Sprachen lernen (englisch, griechisch, ungarisch), reiten und jagen sowie Gedichte schreiben. Und wenn Sisi ihren repräsentativen Pflichten mal doch nicht auskam und sie danach noch Lust zu schreiben hatte, kam so etwas dabei heraus:
„Seufzend von dem müden Haupte nehm’ die Krone ich herab,
wie viel gute Stunden raubte heut der Ceremonienstab!
Immer weniger konnte Sisi mit dem höfischen Getue anfangen, immer verschlossener und unnahbarer gab sie sich nach Außen, immer düsterer schien ihre Gedankenwelt, wie dieses Gedicht verdeutlicht:
An die Zukunfts-Seelen
„Ich fliehe vor der Welt samt ihren Freuden,
und ihre Menschen stehen mir heut fern.
Es sind ihr Glück mir fremd und ihre Leiden,
ich stehe einsam wie auf and’rem Stern!“

Geheimnisvolle Sisi - das Schönheitsideal des 19. Jahrhunderts
All das erinnert doch sehr an Lady Diana, vielleicht sind sie ja miteinander seelenverwandt? Wie auch immer! Befasst man sich länger mit Sisi und ihrem immer morbider werdenden Seelenleben, könnte man den Mordanschlag des italienischen Anarchisten Luigi Lucheni am 9. September 1898 in Genf schon fast als herbeigesehnte Erlösung für die unglückliche Monarchin wähnen. Zugegebener Maßen eine gewagte These, wer kommt schon gerne durch den Einstich mit einer geschärften Feile ums Leben?! Jedenfalls machte dieser Mord aus einer vom Volk recht unverstandenen und nicht sonderlich beliebten Kaiserin einen schillernden Popstar, der spätestens mit Eingangs erwähnter Sissi-Trilogie wach geküsst wurde und bis heute Wiens Tourismus-Branche blühen lässt. Übrigens geben sich die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF dieses Weihnachten etwas seriöser: anstatt der obligatorischen Trilogie beschränkt sich das ZDF am 26.12.2008 um 19:30 auf einen Dokumentarfilm aus der Reihe „Terra X: Sisi – Mythos einer Märchenprinzessin“.
Wer diese Weihnachten die Taschentücher wie gewohnt kaiserlich vollrotzen möchte, kann sich bei Existenz eines entsprechenden Premiere-Vertrages am 25. Dezember auf Premiere Nostalgie dennoch die gesamte Sissi-Trilogie auf einmal reinziehen – oder sich noch schnell die Sissi-DVD-Box zu Weihnachten schenken lassen. Und wem das alles zu schmalzig erscheint und trotzdem den Geburtstag der österreichischen Kaiserin würdigen möchte, dem lege ich den Film „Lissi und der wilde Kaiser“ von Michael „Bully“ Herbig ans Herz – noch weniger nah an der Wahrheit, aber deutlich dichter am Zwerchfell. Ansonsten empfehle ich unbedingt mal einen Trip nach Wien ins Schloss Schönbrunn und in die Wiener Hofburg ins Sisi-Museum – dort findet Ihr all das hier Beschriebene bestätigt und detaillierter präsentiert – wen’s interessiert! Noch etwas? Ach ja, alles Gute zum 171. Geburtstag, liebe Lisi, lass es ordentlich krachen.







Huhu, hier spricht mal wieder deine persöhnliche Rechtschreibprüfung
Absatz 5 Zeile 21 „schillernden Popstar“ nicht Postar
Lieben Gruß
Total schön
Hallo Krissi,
Vielen Dank für Deine Mühe und Deine lieben Kommentare – Andy.
wo war ich da nur wieder mit meinem Kopf. Du hast natürlich recht, es sollte Popstar, und nicht Postar heißen. Andererseit wissen wir ja seit Shakira, dass das eine das andere nicht ausschließt – und bei so viel Sport hatte Sisi bestimmt auch einen süßen Hintern.
[...] an wurde die zuckersüße Torte eines der Lieblingsdesserts von Kaiser Franz Joseph I. und seiner Kaiserin “Sisi” Elisabeth von Österreich, der später auch ein gern gesehener Gast im Hotel Sacher (1876 gegündet von Eduard Sacher) [...]